Familie Inselkammer

Generationswechsel im Armbrustschützenzelt

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Feiern heuer Jubiläum: Peter jun., Katharina, Peppi und Peter sen. Inselkammer (v. l.) im Armbrustschützenzelt.

München - Generationswechsel nach einem Vierteljahrhundert: Seit 25 Jahren führt die Familie Inselkammer das Armbrustschützenzelt – Peter Senior übergibt im nächsten Jahr vollständig an seinen Sohn.

Natürlich hatten Peter und Peppi Inselkammer gehofft, dass es diesmal klappt. Schon mehrfach hatten sie sich um ein großes Wiesnzelt beworben. Und dann kam die Nachricht doch wie ein Blitz aus heiterem Himmel während der Radltour in der Toskana 1990. „Meiner Mutter ist damals sogar das Geschirr aus der Hand gefallen“, erzählt Sohn Peter Junior. „Die ersten beiden Wiesn brauchten wir, um das teure Geschirr zu ersetzen“, scherzt Peter Senior.

Seit einem Vierteljahrhundert führt die Familie Inselkammer mittlerweile das Armbrustschützenzelt. Damals kam das Glück relativ unverhofft: Erst im Mai hatte der Vorgänger als Wirt im Armbrustschützenzelt, Helmut Huber, seine Wiesn-Zulassung verloren. Deshalb musste es schnell gehen. „Es war schon eine Umstellung“, erinnert sich der Juniorwirt. Denn bis dahin hatten die Eltern zwar schon fünf Jahre Wiesn-Erfahrung als Wirte im kleinen Zelt Platzl-Wirt gesammelt (1985 bis 1989). Aber die Organisation eines großen Zelts ist doch etwas anderes: rund 350 Mitarbeiter und mehr als 5800 Plätze statt fünf Angestellten in der Küche, zwei an der Schänke und drei Bedienungen, die es im „Platzl-Wirt“ gab.

„Ich habe schon immer mitgemacht, und es hat Spaß gemacht“, sagt der 44-jährige Juniorwirt, der unter anderem Hotelfachmann ist und seit 1997 die Wirte-Konzession gemeinsam mit seinem Vater hat. „Mein erster Job war Schankhelfer“, erzählt er. Ein Vorteil? „Ich glaube schon, dass es wichtig ist, auch einmal an der Front gearbeitet zu haben.“ Als Vorgesetzer könne man so einschätzen, was man den Angestellten zumuten kann.

Vieles habe er in den 25 Jahren erlebt. „Jede Wiesn ist für sich ein besonderes Ereignis“, besonders schön sei aber immer das Standkonzert an der Bavaria – „wenn man merkt, man gehört dazu, man gehört zu Bayern“. Seit drei Jahren gibt es am ersten Wiesn-Tag im Armbrustschützenzelt auch einen offiziellen Anstich. Der Junior-Chef darf dann an den Schlegel. „Das hat er früher nicht gegeben.“ Da stand eher seine Mutter im Mittelpunkt. Lange dirigierte Peppi Inselkammer den ersten Marsch. „Da hab ich schon mal einen Schnaps davor gebraucht“, erzählt sie.

Mit den Jahren ist die Leitung des Zelts immer mehr an die jüngere Generation übergegangen, auch wenn die Eltern noch so gut wie jeden Tag da sind. Mit seiner Frau Katharina hat Peter Inselkammer jun. genau die Richtige an seiner Seite: „Sie war schon immer ein Wiesnfan“, sagt er. „Man muss den Job schon mögen, aber es ist schön, wenn man das zu zweit macht.“

Das Jubiläum nutzt der 73-jährige Peter Inselkammer Senior, um den Generationswechsel abzuschließen. Er werde ab dem nächsten Jahr nicht mehr im operativen Geschäft dabei sein. Natürlich wird er auch weiterhin häufig auf der Wiesn sein. „Aber nicht mehr jeden Tag“, sagt er.

Einen Generationswechsel habe es auch unter den Besuchern gegeben , erinnert sich der Seniorwirt. „Anfangs hat meine Frau den Leuten verboten, auf den Bänken zu stehen.“ Und sein Sohn fügt hinzu: „Wir haben sie dann immer geärgert: Mama, da steht schon wieder einer auf der Bank.“ Nach vier Jahren hat sie es aufgegeben.

Andrea Steiler

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