Udes geheimer Helfer: Wiesn-Anzapftrainer Huber

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Der Schankkellner Helmut Huber beim traditionellen "Politiker-Derblecken" auf dem Münchner Nockherberg (Archivbild vom 02.04.2009). Huber trainiert OB Ude für den wichtigsten Termin im Jahreslauf - den Fassanstich auf der Wiesn.

München - “Ozapft is“ - wenn der Münchner OB Ude mit diesem Ruf die Wiesn eröffnet, steht Helmut Huber stets ganz nah bei ihm. Nur Insider wissen, welche herausragende Rolle der Brauer bei dem alljährlichen Zeremoniell spielt.

München - Wie schafft er das nur: Zwei Schläge, allerhöchstens drei, und nie ein Spritzer daneben - Münchens Oberbürgermeister Christian Ude ist Profi beim rituellen Anzapfen des ersten Fasses zur Eröffnung des Oktoberfests. Aber er hat einen Helfer. 

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Er bereitet das Stadtoberhaupt auf diesen wohl wichtigsten Termin des Jahres vor. Im entscheidenden Moment steht er neben dem OB und gibt Tipps. “No oan“ oder “passt“ - so gibt Huber Christian Ude (SPD) diskret einen Wink, ob der zweite Schlag zum Anzapfen des ersten Fasses gereicht hat oder ein dritter nötig ist.

Die magische Zahl der Schläge ist in München bei der live im Fernsehen übertragenen Veranstaltung ein wichtiges Kriterium für das Ansehen des Oberbürgermeisters. Ude ist Rekordhalter: 2005 schaffte er es als erster OB, den Zapfhahn mit nur zwei Schlägen in das Fass zu bringen.

Wiesn 2012: Die Bierpreise aus den großen Zelten

Mass: 9,35 (2011: Mass: 9,-) © Westermann
Mass: 9,30 (2011: Mass: 8,95) © Westermann
Mass: 9,40 (2011: Mass: 9,10) © Westermann
Mass: 9,50 (2011: Mass: 9,10) © Westermann
Mass: 9,40 (2011: Mass: 9,10) © Westermann
Mass: 9,40 (2011: Mass: 9,10) © Westermann
Mass: 9,35 (2011: Mass: 9,10) © Westermann
Mass: 9,50 (2011: Mass: 9,10) © Westermann
Mass: 9,50 (2011 Mass: 9,20) © Westermann
Mass: 9,40 (2011 Mass: 9,10) © Westermann
Mass: 9,50 (2011 Mass: 9,20) © Westermann
Mass: 9,50 (2011 Mass: 9,20) © Westermann
Mass: 9,20 (2011 Mass: 8,95) © Westermann
1 Liter Weißbier: 14,60 (2011 1 Liter Weißbier: 14,20) © Westermann

Diesen Samstag (18. September) um Punkt zwölf Uhr eröffnet Ude die Jubiläums-Wiesn. Zum 200-jährigen Bestehen des größten Volksfestes der Welt ruhen die Augen mehr denn je auf ihm, wenn er zum 16. Mal den grünen Schaber - eine Art Schürze - über die Lederhose bindet und den drei Kilo schweren Schlegel zur Hand nimmt. Natürlich geht er auch heuer nicht ohne Training in die Anzapfbox: Gleich nach seinem Urlaub am vergangenen Donnerstag sei Ude zur Generalprobe gekommen, berichtet Huber.

Ude selbst hat für die Zahl der Schläge keine Prognose abgegeben. “Ich werde mich nicht mit Ankündigungen unter Leistungsdruck setzen.“ Sicher ist: Die Steigerung seines bisherigen Rekords zu einem Schlag wird es auch zum Jubiläum nicht geben. Denn das, sagt der Experte Huber, sei nicht fachgerecht. “Ein Bierfass muss man behandeln wie eine Frau. Schonend.“

Jubiläumswiesn: 200 Jahre Oktoberfest

Erinnerung an den legendären Franz Xaver Krenkl, der einst die Kutsche von Kronzprinz Ludwig im Englischen Garten überholte und dabei rief: "Majestät, wea ko, dea ko!" © Heinz Gebhardt
Franz Xaver Krenkl auf Leinwand. © Heinz Gebhardt
Postkarte der Ochsenbraterei. © Heinz Gebhardt
Eine gemalte Darstellung des Opernbrandes von 1823. Das Gebäude wurde auch mit Hilfe einer Oktoberfest-Biersteuer wieder aufgebaut. © Heinz Gebhardt
Oktoberfest 1823. Gemälde von Heinrich Adam, Stadtmuseum. © Heinz Gebhardt
Zwischen 1848 und 1850 wurde der Guss der Bavaria fertiggestellt. Die feierliche Enthüllung fand am 9. Oktober 1850 nach einem Festzug aller Gewerbe und Zünfte zur Theresienwiese statt und geriet erwartungsgemäß zu einer Huldigungsfeier für den abgedankten König Ludwig I. Auf dem Bild ist Erzgiesser Ferdinand von Miller mit der Totenmaske des Bildhauers Ludwig Schwanthaler zu sehen. © Heinz Gebhardt
Sensation in der Ochsenbraterei im Jahr 1881. © Heinz Gebhardt
Der Brand des Weinzelts im Jahr 1887. Es handelt sich um den bis heute größten Brand auf der Wiesn. Ein Bu­den­be­sitzer kam beim Ver­such, sei­ne Geld­kas­set­te zu ret­ten, zu To­de. © Heinz Gebhardt
Postkarte der Jubiläumswiesn von 1910. © Heinz Gebhardt
Eine Postkarte aus dem Jahr 1920. © Heinz Gebhardt
Hans Steyerer, Erfinder des Wiesn-Einzuges. © Heinz Gebhardt
Hans Steyrer 1890 vor seiner Oktoberfest-Bude. © Heinz Gebhardt
Der Wirt Steyerer Hans. © Heinz Gebhardt
Das Hippodrom in den 20er Jahren. © Heinz Gebhardt
Pferderennen auf dem Oktoberfest 1927. © Heinz Gebhardt
Tobbogan 1950. © Heinz Gebhardt
Oktoberfest-Anzapfen 1961. Spezialschlag von Thomas Wimmer. © Heinz Gebhardt
Erstes Oktoberfest-Anzapfen durch OB Thomas Wimmer im Jahr 1950. © Heinz Gebhardt
So wurden 1970 die Tageseinnahmen der Fischer-Vroni zu Bank gebracht. © Heinz Gebhardt/www.muenchenfoto.de
Das Anzapfen im Jahr 1971 geriet für OB Hans-Jochen Vogel ... © Heinz Gebhardt
... zum Bierschaumbad. © Heinz Gebhardt
Gerd Fröbe, Richard Süßmeier und Placido Domingo im Armbrustschützenzelt 1977. © Heinz Gebhardt
Zwiebelschneidert Weinzelt 1980. © Heinz Gebhardt/www.muenchenfoto.de
OB Erich Kiesl sagte 1980: "Obatzt is!" © Heinz Gebhardt
Richard Süßmeier parodiert 1984 Peter Gauweiler. © Heinz Gebhardt
Wiesn-Napoleon Richard Süßmeier © Heinz Gebhardt
Richard Süßmeier als Napoleon. © Heinz Gebhardt
Anzapf-Premiere für OB Christian Ude im Jahr 1992. Dabei ging der zweite Schlag daneben. © Heinz Gebhardt

Eine zu starke Erschütterung des Fasses bei nur einem Schlag brächte die Kohlensäure im Bier zum Sprudeln. “Wenn man dann ausschenken will, kann es ganz schön scharf werden.“ Außerdem könnte allzuleicht der Zapfhahn, Wechsel genannt, wieder herausgedrückt werden. Eine Bierfontäne und der Spott des Publikums wären die Folge. Bestimmt 1000 Fässer hat Schankkellner Huber in seinem Leben angezapft, 34 Jahre allein auf der Wiesn. Seit fast 40 Jahren geht beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg ohne ihn nichts. Im weißen Hemd, roter Krawatte und schwarzsamtener Trachtenweste zapft Huber dort den ersten Humpen Bier für den bayerischen Ministerpräsidenten, bevor das traditionelle Verspotten - “Derblecken“ - der Politiker beginnt.

Sechs Ministerpräsidenten hat Huber dabei erlebt: Von Alfons Goppel über Franz Josef Strauß, Max Streibl, Edmund Stoiber bis hin zu Günther Beckstein und Horst Seehofer. Hubers nächster großer Termin nach dem Anstich am Samstag auf der Theresienwiese ist wieder eine Oktoberfesteröffnung - ebenfalls in München: In dem kleinen Ort bei Leipzig feiern die sächsischen Münchner wie ihre bayerischen Vorbilder traditionell in Dirndl und Lederhose - und eben mit dem Anzapfritual.

Die Anzapftradition hatte nach dem Zweiten Weltkrieg OB Thomas Wimmer begründet. Kurzerhand übernahm er 1950 die Tätigkeit eines Schankkellners und bewies damit bei der nach dem Krieg neu erstandenen Wiesn Volksnähe. Wimmer, obwohl gelernter Schreiner, brauchte einmal allerdings 19 Schläge.

Auch Ude musste anfangs Lehrgeld zahlen: In seinem ersten Amtsjahr 1993 ertönten nach dem sechsten Schlag “Aufhören-Aufhören“-Rufe - dennoch musste der Linkshänder noch einmal nachsetzen, bis er mit dem erlösenden Ruf “Ozapft is“ die Wiesn eröffnen konnte. OB Erich Kiesl wiederum verdrehte 1981 den Schlachtruf “Ozapft is“ und schmetterte nach gekonnten drei Schlägen ins Publikum: “Obatzt is!“.

dpa

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