Ein "Profit" der Gemütlichkeit

Prost! So kurbelt die Kapelle den Bierabsatz an

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Oan, zwoa, drei - gsuffa: Beim "Prosit der Gemütlichkeit" trinkt jeder mit - und damit hat die Kapelle einfluss auf den Bierabsatz.

München - Die Krüge hoch – wenn eine Wiesnkapelle das „Prosit der Gemütlichkeit“ anstimmt, greift jeder im Zelt zu seiner Mass. Das kurbelt den Bierabsatz mächtig an. Im Hofbräuzelt hat man nachgerechnet.

Wenn die Wiesnkapelle das „Prosit der Gemütlichkeit“ spielt, klirren nicht nur die Krüge, sondern es klingeln auch die Kassen. „Ich habe das immer für übertrieben gehalten, bis ich es selbst gesehen habe“, sagt Wirt Michael Schottenhamel. „Das ist wie eine Initialzündung, auch wenn einer grade erst getrunken hat, beim Prosit geht der Krug sofort wieder hoch.“ So steigt der Bierabsatz und zwar um riesige Mengen. Im Hofbräuzelt hat man einmal nachgerechnet. Wenn das Zelt mit 7000 Menschen voll besetzt ist und jeder nach dem Anstoßen einen Schluck trinkt, steigt der Absatz um drei bis vier Hektoliter, sagt Hofbräu-Sprecher Stefan Hempl. „Das Prosit ist eine Wirtschaftsmacht im Zelt.“

Besucher, Bier & Bares: Die Wiesn in Zahlen

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Denn kein Lied stimmt die Band häufiger an. Im Hofbräu-Zelt weiß Kapellmeister Alois Altmann ziemlich genau, wie oft die Animation zum Trinken stattfindet. Etwa 50 Mal am Tag lässt er das „Prosit der Gemütlichkeit“ intonieren – am Wochenende sogar bis zu 80 Mal. „Wenn wir sehen, dass die Gäste Durst haben, muss ein Prosit her“, sagt Altmann mit einem Augenzwinkern. „Das geht nach Gefühl.“ Offizielle Vorgaben, so sagt er, gibt es von den Wirten nicht. „Aber das Geschäft muss schon stimmen.“ Das Prosit sei eben auch bekannt als „Wiesn-Hit der Wirte“.

Der ewige Wiesn-Hit – so nennt auch Kapellmeister Christian Sachs aus dem Schottenhamel das Prosit. Er entscheidet, wann es gespielt wird – „etwa nach jeder vierten oder fünften Nummer“, sagt er. „Man entwickelt mit der Zeit ein Bauchgefühl, wann die Leute so weit sind.“ Den Einfluss auf den Bierabsatz hält er für gering: „Wenn wir das Prosit nicht spielen würden, täten die Leut’ trotzdem trinken.“

Auch im Hacker gibt es keine offizielle Regel, wie oft das Prosit gespielt wird. „Wenn’s passt, spielen wir’s – rein nach Gefühl“, sagt Thomas Wohlschläger von der Kapelle „Die Kirchdorfer“. Auch Wirt Toni Roiderer bestätigt, dass es keine Vorgaben von ihm gibt. „Die Musik weiß, dass man immer wieder trinken muss, damit man nicht heiser wird“, sagt er und lacht. „Das ist Gesundheitsvorbeugung.“ Die Kapelle beobachte einfach die Besucher. „Wenn der Blick sagt, ich hab Durst, dann gibt’s ein Prosit.“ Die Kapelle im Hacker stapelt eher tief. Zwei bis vier mal pro Stunde spiele man den Durstauslöser – eine wohl ziemlich konservative Schätzung, wie man als Hackerzelt-Besucher weiß.

Auch die Musiker im Schützenzelt stapeln tief. Dort werde das Prosit nur etwa 20 Mal am Tag gespielt, sagt Kapellmeister Walter Bankhammer. Eine feste Vorgabe von den Wirten habe auch er nicht bekommen.

Wie groß der Einfluss des Liedes ist, zeigt sich, wenn man die Absatzsteigerung ins Verhältnis zum insgesamt verkauften Bier setzt. Im Hofbräuzelt fließen jährlich etwa 5500 Hektoliter durch die Kehlen – 550 000 Mass. An einem Samstag, an dem das Zelt voll besetzt ist und die Kapelle 80 Mal das Prosit spielt, löst sie damit allein das Trinken von bis zu 240 Hektolitern aus – 24 000 Mass.

Bedanken müssen sich die Wirte übrigens nicht bei einem Bayern. Das berühmte „Prosit der Gemütlichkeit“ soll Bernhard Dittrich erfunden haben. Der stammte aus Chemnitz.

von Philipp Vetter und Ann-Kathrin Gerke

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