Ein "Profit" der Gemütlichkeit

Prost! So kurbelt die Kapelle den Bierabsatz an

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Oan, zwoa, drei - gsuffa: Beim "Prosit der Gemütlichkeit" trinkt jeder mit - und damit hat die Kapelle einfluss auf den Bierabsatz.

München - Die Krüge hoch – wenn eine Wiesnkapelle das „Prosit der Gemütlichkeit“ anstimmt, greift jeder im Zelt zu seiner Mass. Das kurbelt den Bierabsatz mächtig an. Im Hofbräuzelt hat man nachgerechnet.

Wenn die Wiesnkapelle das „Prosit der Gemütlichkeit“ spielt, klirren nicht nur die Krüge, sondern es klingeln auch die Kassen. „Ich habe das immer für übertrieben gehalten, bis ich es selbst gesehen habe“, sagt Wirt Michael Schottenhamel. „Das ist wie eine Initialzündung, auch wenn einer grade erst getrunken hat, beim Prosit geht der Krug sofort wieder hoch.“ So steigt der Bierabsatz und zwar um riesige Mengen. Im Hofbräuzelt hat man einmal nachgerechnet. Wenn das Zelt mit 7000 Menschen voll besetzt ist und jeder nach dem Anstoßen einen Schluck trinkt, steigt der Absatz um drei bis vier Hektoliter, sagt Hofbräu-Sprecher Stefan Hempl. „Das Prosit ist eine Wirtschaftsmacht im Zelt.“

Besucher, Bier & Bares: Die Wiesn in Zahlen

Wie viele Toiletten gibt es auf der Wiesn, woher kommen die Besucher und wie viel ist das größte Volksfest der Welt eigentlich wert? Wir haben alle Zahlen rund um das Oktoberfest. © dpa
Das größte Volksfest der Welt findet auf der 42 Hektar großen Münchner Theresienwiese auf einer Fläche von 34 Hektar statt. © dpa
Zum ersten Mal wurde das Oktoberfest im Jahr 1810 anlässlich der Vermählung des späteren König Ludwig I. mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen gefeiert. © dpa
Ein großer Einzug der Festwirte ist jedes Jahr der Startschuss für das Oktoberfest. © dpa
Die Wiesn zieht jedes Jahr Millionen Besucher an. 6,9 Millionen Gäste strömten im Jahr 2011 auf die Theresienwiese. © dpa
Mit 72 Prozent bayerischer Besucher (davon 60 Prozent aus München)  ist die Wiesn ist nach wie vor ein Fest für Einheimische. © dpa
Neun Prozen der Gäste kommt aus dem Rest von Deutschland ... © dpa
und 19 Prozent aus dem Ausland. © dpa
Stammkundschaft: 76 Prozent aller Gäste kommen jedes Jahr auf die Wiesn. © dpa
Inzwischen ist die Geschlechterverteilung auf der Wiesn fast ausgeglichen. Der Anteil an männlichen Besuchern liegt bei 51 Prozent. © dpa
49 Prozent der Besucher sind Frauen. © dpa
Im Jahr 2011 betrug der Wirtschaftsfaktor der Wiesn Berechnungen des Veranstalters zufolge  1,1 Milliarden Euro.  © dpa
Im Schnitt gibt jeder Besucher 63 Euro auf dem Oktoberfest aus. © dpa
4750 Fundsachen sammeln sich im Schnitt jedes Jahr an. © dpa
7,5 Millionen Mass wurden 2011 ausgeschenkt. © dpa
Im vergangenen Jahr wurden 124.000 Schweinswürstl... © dpa
knapp 70.000 Schweinshaxn... © dpa
118 Ochsen und ... © dpa
rund 522.000 Hendl wurden im Jahr 2011 verzehrt. © dpa
14 große Festzelte und 21 kleine Zelte gibt es auf der Wiesn. © dpa
Insgesamt gibt es rund 104.000 Sitzplätze. © dpa
Das größte Festzelt ist das Hofbräuzelt mit 10.000 Plätzen. © dpa
Nur rund 60 Plätze hat das Cefé Schiebl als kleinster Gastro-Betrieb. © dpa
903 Tonnen Restmüll sammeln sich während der zwei Wochen an. © dpa
Rund 8.000 Festangestellte und 4.000 wechselnde Arbeitskräfte sind während der Wiesn beschäftigt. © dpa
Im Jahr 1810 musste man für einen Liter Bier drei Kreuzer bezahlen. Im Jahr 2012 liegt der Bierpreis  zwischen 9,10 und 9,50 Euro. © dpa
Das Wiesn ist weltberühmt: Einer weltweiten Umfrage aus dem Jahr 1999 zufolge kannten 91 Prozent der Befragten den Begriff "Oktoberfest". © dpa
Kein Wunder, dass es Nachahmungen auf dem gesamten Globus gibt. Ca. 2000 Oktoberfeste nach Münchner Vorbild werden weltweit gefeiert. So auch hier in New York. © dpa
130 Schausteller sorgen mit ihren Fahrgeschäften und Buden für Spaß. © dpa
Toiletten kann es nie genug geben auf der Wiesn. 1.136 "Sitzplätze und 880 "Stehplätze" sollen für Erleichterung sorgen. © dpa
Am ersten Wiesn-Sonntag findet der traditionelle Trachtenumzug mit rund 9.000 Beteiligten statt. © dpa
Alle vier Jahre findet während der Wiesn auch das Zentral-Landwirtschaftsfest (ZLF) statt. © dpa
Egal wie viel sie wert ist: Die Wiesn ist und bleibt einfach unbezahlbar! © dpa

Denn kein Lied stimmt die Band häufiger an. Im Hofbräu-Festzelt weiß Kapellmeister Alois Altmann ziemlich genau, wie oft die Animation zum Trinken stattfindet. Etwa 50 Mal am Tag lässt er das „Prosit der Gemütlichkeit“ intonieren – am Wochenende sogar bis zu 80 Mal. „Wenn wir sehen, dass die Gäste Durst haben, muss ein Prosit her“, sagt Altmann mit einem Augenzwinkern. „Das geht nach Gefühl.“ Offizielle Vorgaben, so sagt er, gibt es von den Wirten nicht. „Aber das Geschäft muss schon stimmen.“ Das Prosit sei eben auch bekannt als „Wiesn-Hit der Wirte“.

Der ewige Wiesn-Hit – so nennt auch Kapellmeister Christian Sachs aus dem Schottenhamel das Prosit. Er entscheidet, wann es gespielt wird – „etwa nach jeder vierten oder fünften Nummer“, sagt er. „Man entwickelt mit der Zeit ein Bauchgefühl, wann die Leute so weit sind.“ Den Einfluss auf den Bierabsatz hält er für gering: „Wenn wir das Prosit nicht spielen würden, täten die Leut’ trotzdem trinken.“

Auch im Hacker gibt es keine offizielle Regel, wie oft das Prosit gespielt wird. „Wenn’s passt, spielen wir’s – rein nach Gefühl“, sagt Thomas Wohlschläger von der Kapelle „Die Kirchdorfer“. Auch Wirt Toni Roiderer bestätigt, dass es keine Vorgaben von ihm gibt. „Die Musik weiß, dass man immer wieder trinken muss, damit man nicht heiser wird“, sagt er und lacht. „Das ist Gesundheitsvorbeugung.“ Die Kapelle beobachte einfach die Besucher. „Wenn der Blick sagt, ich hab Durst, dann gibt’s ein Prosit.“ Die Kapelle im Hacker stapelt eher tief. Zwei bis vier mal pro Stunde spiele man den Durstauslöser – eine wohl ziemlich konservative Schätzung, wie man als Hackerzelt-Besucher weiß.

Auch die Musiker im Schützenzelt stapeln tief. Dort werde das Prosit nur etwa 20 Mal am Tag gespielt, sagt Kapellmeister Walter Bankhammer. Eine feste Vorgabe von den Wirten habe auch er nicht bekommen.

Wie groß der Einfluss des Liedes ist, zeigt sich, wenn man die Absatzsteigerung ins Verhältnis zum insgesamt verkauften Bier setzt. Im Hofbräuzelt fließen jährlich etwa 5500 Hektoliter durch die Kehlen – 550 000 Mass. An einem Samstag, an dem das Zelt voll besetzt ist und die Kapelle 80 Mal das Prosit spielt, löst sie damit allein das Trinken von bis zu 240 Hektolitern aus – 24 000 Mass.

Bedanken müssen sich die Wirte übrigens nicht bei einem Bayern. Das berühmte „Prosit der Gemütlichkeit“ soll Bernhard Dittrich erfunden haben. Der stammte aus Chemnitz.

von Philipp Vetter und Ann-Kathrin Gerke

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