Der Kampf mit den Kalorien

Wiesn-Schmankerl und ihre Brennwerte

München - Nach einem zünftiger Wiesn-Besuch meldet sich bei vielen Besuchern das schlechte Gewissen. Wir verraten Ihnen, wie sie die Kalorien wieder am besten abbauen.

Eins gleich vorweg, liebe Oktoberfest-Fans: Wir wollen Ihnen hier keineswegs die Lust auf all die köstlichen Wiesn-Schmankerl vermiesen – ganz im Gegenteil: Dies ist als Fitnessratgeber mit Genuss- und Gaudifaktor gedacht!

Zugegeben: Wir versuchen gar nicht erst, Ihnen einen Wiesn-Bummel als Familientreffen von Weight Watchers oder sonst eine gruppendynamische Diätveranstaltung zu verkaufen. Aber der aktive Wiesn-Gänger kann durchaus etwas tun, damit sich Bier, Hendl und gebrannte Mandeln nicht gänzlich in Hüftgold verwandeln.

Egal, ob Mitsingen auf der Bierbank, Hau den Lukas, Anbandeln mit Verlängerung nach Zeltschluss oder sozusagen After-Kater-Radeln am nächsten Tag – wir sagen Ihnen in der großen Tabelle, wie viel Energie Sie investieren müssen, um die Wiesn-Kalorien wieder loszuwerden.

Und falls das alles nichts hilft: Wir haben sicherheitshalber drei Ärzte gefragt, wie Sie Ihren Körper vor sich selbst schützen können.

Das Oktoberfest ist eine Ausnahme …

Das ganze Jahr freut sich Familie Eder aus München auf die Wiesn. Und wenn’s dann so weit ist, wird richtig zugeschlagen! Mama Alexandra (33) genehmigt sich an einem Wiesn-Tag eine Schokobanane, gebrannte Mandeln, eine große Breze, eine Radler-Mass und eine Mass Bier, später kommt noch eine Käsekrainersemmel dazu – macht insgesamt 3280 Kalorien. Tochter Laura (4; links mit im Bild Freundin Sophia) liebt Zuckerwatte, zum Abendessen gibt es eine Bratwurst mit Semmel und viel Ketchup und ein Glas Wasser (insgesamt 938 Kalorien). Papa Simon (35) kommt an einem Wiesn-Tag mit drei Mass Bier, einem halben Hendl, einer großen Breze und einer Ochsensemmel wie die Mama auf 3280 Kalorien. Familienergebnis: 7498 Kalorien. Die kommen in der Menge pro Wiesn etwa drei Mal aufs Kalorienkonto der Eders. Mama Alexandra hat kein Problem damit. „Das Oktoberfest ist eine Ausnahme, da sind uns die Kalorien und auch die Ausgaben egal“, verrät die ­Angestellte. Und sie hat einen weiteren Vorteil: „Ich kann Gott sei Dank ohnehin essen, was ich will, ohne gleich drei Kilo zuzunehmen …“

Grundlage fürs Bier

Vor der Wiesn braucht’s a g’scheite Grundlage. Deshalb haben die Münchner Janne Ludwig (29, Restaurantfachfrau) und Michi Odia (28, Krankenpfleger) jeder zwei Weißwürste gefrühstückt. Zum Auftakt gab’s zusammen eine Packung Mandel. Dann ab zum Feiern! Jeder hat vier Mass getrunken – da muss eine salzige Lachs-Semmel hinterher, bevor es wieder ins Zelt geht. „Wir werden bestimmt jeder noch zwei Mass trinken und am späten Abend noch ein Hendl essen.“ Die Kalorien sind den beiden egal, sagt Janne: „Auf der Wiesn Kalorienzählen ist doch albern – allein das Bier hat schon so viele, da macht das Essen auch nichts mehr aus.“ Die Bilanz für jeden: 4940 Kalorien.

Es muss schmecken

Kalorienzählen auf der Wiesn? Kommt für Uschi (53,

Krankenschwester) und Georg Heitmeir (60, Karosseriebauer) gar nicht in Frage. „Hauptsache ist, dass es uns schmeckt. Wiesn ist nur ein Mal im Jahr“, sagt das Ehepaar aus Maisach. Zuerst stand ein Mittagessen auf der Oidn Wiesn an. Sie bestellte Wiener mit Kartoffelsalat, Apfelschorle und einen Kaffee. Ihr Mann gönnte sich Leberkäs mit Kartoffelsalat und drei Mass Bier. Später im Biergarten kam noch eine vierte Mass dazu. Macht insgesamt 2580 Kalorien. Ehefrau Uschi steht nach dem Abendessen mit Wurstsalat, großer Breze und Apfelschorle bei 1995 Kalorien. „Die arbeiten wir nächste Woche schon wieder runter.“

"Das verkaterte Gehirn hat einen Bärenhunger"

Es soll ja so manchen Stammgast geben, der während der Wiesn eine tägliche Achterbahnfahrt der Gefühle durchmacht: Abends, wenn die Bierbank bebt und die frische Mass schäumt, wünscht man sich Unendlichkeit. Aber morgens, wenn die Gemütlichkeit verrauscht ist und der Wecker ins Hirn hämmert, dann wäre man am liebsten nie im Festzelt gewesen. Was also tun? In der tz geben drei renommierte Ärzte Tipps, wie Wiesngänger die Herausforderungen für Körper und Geist besser bewältigen.

Dr. Christof Pfundstein

Die Halbe Mineralwasser ist die kleine Schwester der Mass: Beim Biertrinken verliert der Körper erstaunlicherweise mehr Flüssigkeit, als er zugeführt bekommt. „Alkohol blockiert ein Hormon, das für die Wiederaufnahme von Flüssigkeit verantwortlich ist“, erklärt Dr. Christof Pfundstein vom Diagnose- und Therapiezentrum „Marianowicz-Medizin“. Deshalb sei es besonders wichtig, zwischendurch immer mal wieder ein Wasser zu bestellen. „Das spült nicht nur die Leber“, so der Gastroenterologe weiter, „es trägt auch dazu bei, dass die Kopfschmerzen am nächsten Tag nicht zu schlimm weden. Diese resultieren nämlich zu einem gewissen Anteil aus Flüssigkeitsmangel.“

„Das verkaterte Gehirn hat einen Bärenhunger“, sagt Dr. Barbara Richartz schmunzelnd, die im Marianowicz-Zentrum die Kardiologie leitet. „Durch den Alkohol verlieren die Gehirnzellen Glukose.“ Um die Zuckerdepots wieder aufzufüllen, sollte man am Tag nach dem Wiesn-Rausch vernünftig essen: „Ideal ist süßes Obst, etwa Weintrauben oder Ananas.“

Dr. Barbara Richartz

Keine Selbstgeißelung aus schlechtem Gewissen: Wer am Abend auf der Wiesn exzessiv gesündigt hat, der sollte am nächsten Tag auf keinen Fall exzessiv Sport treiben. „Das würde für den Körper doppelten Stress bedeuten und wäre nicht gesund fürs Herzkreislaufsystem“, erklärt Dr. Richartz. Sinnvoller seien Spaziergänge oder maßvolles Radeln, gerne auch auf dem Heimtrainer. Joggen eigne sich nicht als After-Kater-Aktivität – „schon alleine, weil die Erschütterungen dem Magen nicht guttun“.

Dr. Oliver Abbushi

Die Saure-Damen-Mass: Welche Alternative gibt’s zum starken Festbier? Von Radler hält Dr. Oliver Abbushi, Hausarzt und Internist aus Oberhaching, wenig – allein schon wegen des überflüssigen Zuckers. Sein Rat, vor allem an nicht ganz so trinkfeste Damen: „Verdünnen Sie Ihre Mass mit etwa einem Fünftel Wasser.“

Die Pille für den Bier-Magen: Wem trotzdem am nächsten Tag speiübel ist, der kann sich in der Apotheke Vomex besorgen. Dr. Abbushi: „Der Wirkstoff Dimenhydrinat kann die Beschwerden lindern.“

Was bei Kopfschmerzen hilft: „Aspirin“, sagt Dr. Abbushi, „aber nie mehr als zwei Tabletten innerhalb von 24 Stunden. Und auf keinen Fall Paracetamol. Es schlägt in Verbindung mit Alkohol zu sehr auf den Magen.“ Ganz wichtig, wie alle Ärzte betonen: „Gönnen Sie sich viel frische Luft – bereits nach dem Wiesnbesuch im Schlafzimmer. Und am nächsten Tag falls möglich auch im Büro.“

Die Wiesn-Schmankerl und ihre Kalorien

Die Wiesn-Schmankerl und ihre Kalorien

A. Beez, C. Meyer, N. Bautz, B. Winterer

Rubriklistenbild: © dpa

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