"Die Münchner sind große Säufer!"

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Vom Zapfhahn direkt in den Mund: So machten sich Zeichner in früheren Zeiten über den Bierkonsum auf der Wiesn lustig

München - Wer glaubt, Vorglühen und Kampftrinken wäre eine Erfindung unserer Tage, der irrt. Wir zeigen Ihnen, was berühmte Persönlichkeiten über historische Trinkgelage zu berichten wissen.

Zur selben Zeit als in den Münchner „Fliegenden Blättern“ 1862 die ersten Karikaturen auf Oktoberfest-Bierleichen erschienen, schrieb der Engländer Edward Wilberforce, ein scharfsinniger wie liebenswürdiger Beobachter des Münchner Lebens in seinem „Social Life in Munich“: „Man würde aber doch zu gerne wissen, ob all diese Geschichten, die man so hört, wahr sind. Man würde gerne, nicht gerade bewundernd, aber doch mit den Gefühlen eines wissenschaftlichen Experimentators, Leuten zusehen, die an einem Tage dreißig Mass Bier trinken; und man kann sich nicht vom bloßen Hörensagen auf die Geschichte vom Wettrinken verlassen, nach welcher der Sieger hintereinander achtzig Mass getrunken haben soll.“ Achtzig Mass Bier ist sicher ein bisschen übertrieben, aber selbst für den im Biertrinken erfahrenen Engländer waren es schon phantastische Mengen, die auf der Wiesn geschluckt wurden.

Die Wiesn-Bierpreise seit 1810

Die Wiesn-Bierpreise seit 1810

Bierhalle statt Feldherrnhalle

Von den Neubauten König Ludwigs I. wie Siegestor, Glyptothek, Propyläen, Feldherrnhalle usw. hielt Wilberforce gar nix, und er hätte es viel besser gefunden, der König hätte nach seiner Wiesn-Hochzeit das ganze Geld in den Ausbau des Oktoberfestes gesteckt: „Wie viel passender wäre es gewesen, hätte König Ludwig I. eine riesige Bierhalle gebaut und seine Maler sie mit Fresken verzieren lassen, die dem Volk etwas sagen, statt all seiner Tempel und italienischen Kopien!“

„20 Maas an einem Tag“

Auch als es noch gar kein Oktoberfest gab, war der Bierkonsum der Münchner legendär wie beim Schriftsteller Heinrich Sanders (1754-1782) nachzulesen ist: „Viele trinken täglich 6, 7, andre 10 – 12 Maas, und Biersäufer können 18 – 20 Maas in einem Tage trinken. Ein Kutscher trinkt 3 Maas, wenn man nur eine Viertelstunde ausbleibt, und ihm erlaubt, ein Glas Bier zu trinken.“

Paris ist eine Frau, München ist Bier!

„Ich trinke mit großem Vergnügen sehr viel Bier“, schrieb Thomas Mann um die Jahrhundertwende. Zur gleichen Zeit berauschte sich der russische Maler Leonid Pasternak (1862 – 1945) auf der Wiesn derart, dass der weitgereiste Künstler alle andere Freuden des Lebens dem Münchner Bier unterordnete: „Paris ist eine Frau , München ist Bier! Nach meiner Meinung ist München besser!“, schrieb er einem Freund.

„Die Münchner sind große Säufer“

Ein absoluter Wiesn-Muffel war dagegen der französische Lyriker Guillaume Apollinaire (1880- 1918), der 1902 seine Wiesn-Erfahrungen in einem Satz zusammenfasste: „Die Münchner sind große Säufer!“ Über seine Er­fahrungen im den Bierzelten des Oktoberfestes: „Da saßen Kopf an Kopf die bereits ­betrunkenen Saufbolde, grölten aus vollem Hals, schun­kelten und schlugen die leeren Masskrüge in Scherben.“ Na ja, kann ja mal vorkommen.

„München hat mich fast umgebracht“

Hinter das Geheimnis des Wiesnbieres kam auch der Amerikaner Thomas Wolfe 1923: „Ich wusste nicht was ein Oktoberfest ist, bis es dann vor zwei Wochen anfing. Warum aber veranstalten sie in München – wo es tausend Bierlokale gibt – ein besonderes Fest zu Ehren des Bieres? Ich kam bald dahinter. Das Oktoberfestbier ist doppelt so stark wie das gewöhnliche. Ich ging zwei- oder dreimal hinaus und sah mir den Rummel an – diese Bierzelte sind riesengroß und erschreckend – in einem einzigen haben vier bis fünftausend Menschen Platz, man kann kaum atmen und sich rühren. Und dann stand ich auf und ging in ein andres Zelt, wo ich noch eins trank- und kurz bevor sie zumachten, ging ich in ein anderes und trank ein letztes Bier. Ich hörte Schreien und Rufen hinter mir, und als ich mich umdrehte, sah ich mehrere Männer hinter mir herlaufen. Ich wandte mich um und dann hatte ich einen blutigen Kampf mit diesen Leuten. In diesem Augenblick kamen drei oder vier Polizisten angestürzt, die mich packten und schleunigst zur Polizeiwache brachten. Ein Arzt untersuchte meine Nase und sagte, sie sei gebrochen. Ja, München hat mich fast umgebracht – aber es hat mir fünf Wochen mehr menschliche Erfahrungen geschenkt, als den meisten Menschen in fünf Jahren zuteil wird.“

tz

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