Wiesn-Wahnsinn: Er soll 3580 Euro für eine Reservierung zahlen

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    • 18.07.12
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Ticket-Wahnsinn bei der Wiesn

Er soll 3.580 Euro für eine Reservierung zahlen

München - Wahnsinn! 3580 Euro für einen Wiesn-Abend im Hackerzelt! Uwe Springer haute es bei diesem Preis beinahe vom Stuhl. Die Wiesn-Wirte sind offenbar machtlos.

© Privat

Uwe Springer (55) wollte für insgesamt 20 Personen einen Wiesn-Tisch im Hackerzelt reservieren.

Als das Angebot der Online-Ticket-Agentur reinflattert, traut Uwe Springer (55) aus Aschau (Österreich) seinen Augen nicht. Bis zum Wiesn-Anstich sind es noch zwei Monate – und wieder wittern Internet-Verkäufer das große Geschäft!

„So eine Abzocke“, schimpft Uwe Springer, der 18 Jahre lang den Biergarten zum Hirscheck in Neuhausen führte und 2007 die Oberlandhütte in den Kitzbühler Alpen übernahm. Wie jedes Jahr will der Wirt auch heuer mit Angestellten auf die Wiesn.

Über einen Werbelink auf der offiziellen (!) Wiesn-Homepage der Stadt München gelangt er an die Agentur Ticketsolution and Travel aus Soest. „Ich bekam sofort eine Zusage für 20 Personen für das Hackerzelt.“

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Doch als das Angebot kommt, haut es ihn fast vom Stuhl. Aufgeführt sind 179 Euro pro Person – für zwei Mass Bier und ein halbes Hendl. Gesamtsumme mit Versand: 3585,50 Euro! Bei den Wirten kostet die Reservierung dagegen um die 30 Euro pro Person. Damit verlangt die Agentur das Sechsfache! Michael Jeschke, Geschäftsführer von Ticketsolution and Travel, erklärt den Preis so: „Wir haben die Dinger selbst sauteuer eingekauft.“ Von wem, sagt er nicht. Seine Firma verdiene im Schnitt nur 20 Prozent am Weiterverkauf. „Wir zwingen ja auch keinen zum Kauf. Die Nachfrage ist eben da.“

Die Wiesn-Wirte sind weitgehend machtlos. Zwar ist laut AGBs der Festzeltbetreiber der Weiterverkauf von Reservierungen verboten. Das betrifft aber nur den Vertrag zwischen Wirt und ursprünglichem Käufer. Doch den herauszufinden, ist mehr als schwierig. Denn dazu braucht man die Reservierungsnummer, die aber (wie im diesem Fall) vorab nicht rausgerückt wird.

Bilder aus 200 Jahren Wiesn-Geschichte

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Laut Richard Seifert, Rechtsanwalt der Wiesn-Wirte, könne man den ursprünglichen Käufer zudem in der Regel auch nur zivilrechtlich belangen, also die Reservierung stornieren oder ihm Zeltverbot erteilen. „Die einzige Möglichkeit, dieses Problem zu lösen, wären strenge Ausweiskontrollen beim Einlass“, sagt der Wirte-Anwalt. „Aber das wäre schon rein organisatorisch kaum durchführbar.“

Uwe Springer hat seinen Wiesn-Besuch heuer gestrichen: „Bei der Geschäftemacherei schmeckt mir die Mass nicht mehr.“

Stadt und Wirte warnen: „Lasst’s die Finger davon!“

Die Wirte und die Stadt München warnen vor den Wucher-Angeboten im Internet. Toni Roiderer, Wirt im Hackerzelt und Sprecher der Wiesn-Wirte: „Leut, lasst’s die Finger davon!“ Auch Wirtschaftsreferent Dieter Reiter (SPD) rät den Wiesn-Gästen, Reservierungen ausschließlich bei den Wirten selbst vorzunehmen. Gegen überteuerte Angebote im Internet könne man rechtlich nicht vorgehen. „Dieser unschönen Facette des InternetHandels kann nur dadurch begegnet werden, dass die Händler auf ihren skrupellosen Angeboten sitzen bleiben. Bitte schieben Sie solchen Machenschaften einen Riegel vor und kaufen Sie keine überteuerten Reservierungen im Internet!“

Im vorliegenden Fall war Uwe Springer ausgerechnet über einen Werbelink auf der offiziellen Wiesn-Seite der Stadt München (www.oktoberfest.eu) auf die Homepage der Ticketagentur gelangt. „Es ist bedauerlich, dass Links zu Webseiten mit solchen Angeboten auch auf dem Stadtportal hochgeladen wurden“, so Dieter Reiter gegenüber der tz. „Die Portal München Betriebs-GmbH hat aber umgehend reagiert und diese Werbung bis auf Weiteres abgeschaltet.“

So klappt's mit der Reservierung

Damit Ihre Wiesn-Reservierung nicht auch ein Reinfall wird: So reserviert man einen Wiesn-Tisch - unsere Tipps.

Christina Schmelzer

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