Kreuth/Bad Tölz - Es ist eine Glaubensfrage: Darf man sich als Mitglied eines Trachtenvereins zu dem traditionellen Gewand schminken? Wir haben zwei junge Frauen aus Oberbayern gefragt. Die eine lässt sich etwas Farbe im Gesicht nicht nehmen, die andere verzichtet nahezu auf alle „Malerei“.

© Leder/Pröhl
Martina Rowold (l.) benutzt kein Make-up. Viktoria Hennrich ist dagegen eine Schminkerin.
Martina Rowold (15) aus Kreuth ist seit der dritten Klasse Mitglied im Trachtenverein „D’Hirschbergler“ in Reitrain (Landkreis Miesbach). Für die Schule schminkt sich die Schülerin jeden Tag, Kajal und Wimperntusche gehören für sie einfach dazu. Wenn sie aber mit der Jugendgruppe des Trachtenvereins ausrückt, bleiben Nagellack und dergleichen im Schrank. Nur die eine oder andere Hautunreinheit, die man mit 15 schon mal hat, wird kaschiert. Martina Rowold gehört zum Typ Anti-Schmink-Trachtlerin.
Ganz anders sieht das Wandinger. Er erzählt, dass Bauernmädchen im Oberland um 1840 sich mit dem roten Verpackungspapier von Zichorienkaffee die Wangen gerötet hätten. „Und wenn sie Kajal gehabt hätten, hätten sie den wohl auch benutzt“, erzählt er von den jungen Frauen, die genau das getragen hätten, was man heute als Tracht bezeichnet. Seiner Meinung nach krankt etwas, wenn das alltägliche Leben und das in Tracht soweit auseinander gehen. „Je lebendiger Tracht irgendwo ist, je mehr sie also zum Alltag gehört, desto normaler ist es auch, dass Frauen sich schminken“, sagt er. Und er verweist darauf, dass die Debatte um Schminken oder eben nicht vor den 1930er Jahren verwurzelt und typisch für die Nazi-Zeit ist. „Damals hieß es: ,Die deutsche Frau schminkt sich nicht’. Vorher hat das in diesem Ausmaß niemanden interessiert.“
Angela Fuchs
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