Able will sich Abzocke nicht gefallen lassen

Wucher-Wahnsinn! Wiesn-Gaudi für 12.000 Euro

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Für einen Tisch auf dem Oktoberfest blättert so manch einer ein halbes Vermögen hin.

München - Abzocker haben es auf die Tische des neuen großen Wiesn-Wirts Sigi Able abgesehen. Im Internet werden für eine Reservierung Preise von bis zu 12.000 Euro verlangt. 

Bis zum Anstich sind’s noch mehr als zwei Monate, das neue Marstall-Zelt ist längst nicht aufgebaut – und die Reservierungsbestätigungen gingen erst vor einer Woche raus. Aber schon jetzt haben es die Wiesn-Abzocker auf die Tische des neuen großen Wiesn-Wirts Sigi Able abgesehen. Im Internet werden für eine Reservierung Wucherpreise von bis zu 12.000 Euro verlangt!

Sigi Able sagt den ­Abzockern den Kampf an – hier zeigt er auf ein Angebot für einen 20er-Tisch für 11.779 Euro.

„Das ist der Wahnsinn. Das ärgert mich maßlos, wenn Reservierungen in dieser Höhe gehandelt werden“, sagt Able zur tz. Zur Erinnerung: Eine Reservierung mit Menü kostet im Marstallzelt 60 Euro. 20 Personen zahlen also umgerechnet 1200 Euro – ein entsprechendes Angebot auf einschlägigen Webseiten kostet allerdings das Zehnfache!

Einer dieser Portal-Betreiber ist ein alter bekannter bei den Wirten und der Stadt: Florian Kosak. Der Berliner steht mit seiner Agentur Tab Ticketbroker schon seit mehreren Jahren in der Kritik, ist sich jedoch keiner Schuld bewusst: „Der Weiterverkauf ist legal. An uns wenden sich Firmen und Privatpersonen, die mehr Tische haben als nötig. Strittig ist nur, ob der Inhaber der Reservierung diese laut AGBs in den Verträgen mit dem Wirt weiterverkaufen darf.“

Schmid: Solche Preise für Reservierungen "unglaublich"

Auf der Seite werden neben den Tischen im Marstall auch Plätze für viele andere Zelte angeboten. In einer weiteren Rubrik sind sogar WM-Tickets zu finden. Kosak: „Die Käufer können unter aktuell 200 Angeboten das passende Zelt und die passende Uhrzeit suchen. Viele Firmen kaufen die Reservierung bei uns, weil der Service besser ist als über die Zelte.“

Auf die horrenden Preise angesprochen, meint Kosak lapidar: „Das ist ein Resultat von Angebot und Nachfrage. Wir als Weitervermittler bekommen den kleineren Teil der Summe, den großen Teil bekommt der Inhaber der Reservierung.“

Wirt Sigi Able lässt das freilich nicht auf sich sitzen. Er kündigt an, die schwarzen Schafe, die ihre Reservierung zum Weiterverkauf anbieten, ausfindig machen zu wollen. „Wir werden mindestens ein Angebot auf dieser Seite selbst kaufen. Auch wenn uns das viel Geld kostet: Aber der Gast, der seine Reservierung weiterverkauft, wird nie wieder bei uns reservieren dürfen.

Und da er gegen die AGBs verstößt, werden wir auch juristisch dagegen vorgehen.“ Er wolle gleich im ersten Jahr zeigen, dass er so etwas nicht dulde. „Wir werden sehr wachsam sein. Ich hoffe, dass das eine Abschreckungsmaßnahme für die Zukunft ist.“

Wirtesprecher Toni Roiderer kennt das Problem seit vielen Jahren und hat nur einen Rat: „Leute, seid’s gscheid und kauft diese Tische nicht. Bei manchen Anbietern kann es sein, dass dieser Tisch gar nicht existiert – und der Käufer dann wieder nach Hause muss, obwohl er Unsummen gezahlt hat.“

Auch der zweite Bürgermeister Josef Schmid (CSU), der sein Amt als Wiesn-Chef voraussichtlich am 8. Juli antreten wird, ist erbost: „Ich finde solche Preise für Reservierungen unglaublich“, sagt er der tz. „Sie pervertieren den Gedanken der Wiesn als Volksfest.“

Auch er habe sich in der Vergangenheit als Privatmensch schon viele Gedanken gemacht, wie man das Problem in den Griff bekommen könnte. „Aber man tut sich da schwer. Ich habe auch kein besseres Rezept als meine Vorgänger.“ Er kündigt aber an: „Sobald ich Wiesn-Chef bin, werde ich mir intensiv Gedanken über eine Lösung machen.“

Nina Bautz

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