RTL wieder in München

Team Wallraff: So brutal sind Wiesn-Ordner

Wiesn Security Oktoberfest
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Unser Archivbild zeigt Security-Mitarbeiter in einem Wiesn-Zelt.

München - In der Doku "Team Wallraff" auf RTL war München am Montag wieder Schauplatz: Die aktuelle Folge zeigte aggresive Wiesn-Ordner, die selbst zum Sicherheitsrisiko wurden.

Eklatante Hygienemängel bei Burger King und schlimme Missstände in Altenheimen deckte das Team Wallraff auf. Am Montagabend (21.15 Uhr auf RTL) lief die vorerst letzte Folge von Team Wallraff – Reporter Undercover - bei der München abermals eine wichtige Rolle spielte.

Diesmal ermittelten die verdeckten Reporter vom Team Wallraff unter anderem auf der Wiesn. Die aktuelle Folge befasste sich mit dem Thema "Sicherheitsrisiko Security". So bewegten sich die Journalisten von RTL Undercover in der Sicherheits-Branche. Einer heuerte auch als Security-Mitarbeiter auf dem Oktoberfest an. Hier lesen Sie das Protokoll der Sendung, die mit Sicherheit wieder für Diskussionen sorgen wird:

Team Wallraff: Das passiert auf der Wiesn

Am Montag zeigte Enthüllungsjournalist Günter Wallraff bei RTL Missstände um Security-Mitarbeiter auf der Wiesn.

Zwei Reporter von Team Wallraff wollen im RTL-Magazin herausfinden, ob sie ohne Vorerfahrung als Security-Männer in München eingesetzt werden. Und siehe da: Die Anwärter müssen lediglich ein fünftägiges Mini-Seminar besuchen, um als "qualifizierte Sicherheitsmitarbeiter" eingestellt zu werden. Auf dem Seminar treffen sie unter anderem Arbeitslose, die das Arbeitsamt geschickt hat und Rentner, die sich ein Zubrot verdienen wollen. Manche schlafen auf den Tischen. Inhalte des Kurses: Grundkenntnisse in Psychologie und Recht. Abschlussprüfung, um das Gelernte zu testen? Wird nicht verlangt! Investigativ-Legende Günter Wallraff meint: "Eigentlich ein Witz."

Trotzdem bekommt einer der RTL-Reporter einen Job in einem Wiesn-Zelt. Stundenlohn: 8,40 Euro. Laut dem erfahrenen Wiesn-Türsteher Reza, der vor der Kamera von Team Wallraff auspackt, bekommen andere Sicherheitsleute auf der Wiesn deutlich weniger pro Stunde. Grund: Sie sind bei Subunternehmern eingestellt. Und die zahlen unter dem branchenüblichen Niveau.

Dabei wird den Wiesn-Sicherheitsleuten einiges abverlangt: "Man wird von den Gästen wie ein Fußabtreter, wie das letzte A...loch behandelt", erzählt der RTL-Reporter, der im Wiesn-Zelt eingesetzt wurde. Die Folge des konstanten Drucks bekennt er offen: Auch die eigene Aggressivität steigt mit der Zeit massiv.

Die Kamera von Team Wallraff zeigt außerdem, wie randalierende Engländer, die aus einem Zelt fliegen, auf die Sicherheitsleute losgehen. "Irgendwann kann man die Spuckereien und Schubsereien nicht mehr hinnehmen", erzählt Security-Mann Reza. "Und dann reagierst Du über."

Team Wallraff zeigt brutale Türsteher auf der Wiesn

Dieses Überreagieren wird auch zur Gefahr für harmlose Wiesn-Gäste. Die Kamera zeigt schockierende Szenen: Ein junger Mann in Tracht, dessen Freund von Türstehern festgehalten wird, redet  ohne aggressive Gesten auf einen Security ein. Plötzlich wird er von dem Sicherheitsmann mit der Brust angerempelt, dann von mehreren Kollegen brutal zu Boden gerissen, fixiert  und mit dem Gesicht in den Dreck gedrückt. "Eine Straftat", meint ein Aggressions-Experte, dem Günter Wallraff die Aufnahmen zeigt. Hier gehe es den Türstehern offensichtlich nur darum, die eigene Aggressivität rauszulassen.

Weitere Skandal-Aufnahmen: Ein Wiesn-Gast, der mehrere Brutalo-Türsteher vor einem Zelt auf dem Oktoberfest mit dem Handy fotografiert, wird ebenfalls gepackt, umgerissen und zu Boden gedrückt. Umstehende Wiesn-Gäste sind entsetzt. Sie schreien panisch: "Lassen Sie ihn los!" Aber die Türsteher packen nur noch härter zu. 30 Minuten lang wird der Mann am Boden festgehalten. Kurz bevor die Polizei vor dem Zelt eintrifft, verschwinden die Securitys. Ihr Opfer hat sich zahlreiche Schürfwunden zugezogen. Volle Brutalität: Und das nur, weil der Mann die Gewaltaktion der Türsteher fotografiert hatte. 

Ein Sprecher der Wiesn-Sicherheitsleute räumt gegenüber Team Wallraff ein, dass Ordner gelegentlich überreagieren. Allerdings betont er, dass keine unqualifizierten Leute eingestellt würden. 

Team Wallraff: Sicherheitsrisiko Security

Weiterhin zeigt die aktuelle Folge von "Team Wallraff", wie Mitarbeiter von RTL sich bei einer Werttransportfirma in Berlin  für die Begleitung eines Geldtransporters schulen lassen. Abermals in einem Crash-Kurs. Der Sender enthüllt schier Unglaubliches. Nach einem Drei-Tages-Seminar dürfen die Security-Leute sogar eine scharfe Waffe tragen und im Notfall damit schießen. Im Zweifelsfall fliegen die Kugeln ohne Rücksicht auf Passanten.

Ein weiteres Segment zeigt, wie das Team Wallraff in einem Flüchtlingsheim in Hamburg Undercover ermittelt. RTL berichtet, wie Wachleute sich offen fremdenfeindlich benehmen.        

Günter Wallraff wollte mit der neuen Folge von "Team Wallraff – Reporter Undercover" nach eigenem Bekunden nicht pauschal alle Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten durch den Dreck ziehen. Er wollte auch auf Misstände in der Branche hinweisen, unter denen Security-Mitarbeiter leiden. Auf der Homepage von RTL war vor der Ausstrahlung Wallraff-Statement zu lesen: "„Acht Monate haben wir in der Sicherheitsbranche recherchiert. Wir haben erlebt, dass Angestellte schlecht ausgebildet und schlecht bezahlt Dienst schieben. Dabei haben wir auch ihren Frust darüber gespürt, den sie mitunter an anderen ausgelassen haben. Dass ausgerechnet die Bewacher eines Jobcenter, wo wir verdeckt recherchiert haben, so wenig verdienen, dass sie gleichzeitig auf Stütze durch das Jobcenter angewiesen sind, ist absurd und muss abgestellt werden. Überrascht waren wir, wie leicht absolute Laien die Erlaubnis bekommen, als Geldboten Waffen zu tragen. Nicht hinnehmbar ist auch, dass diejenigen, die als Geldboten Millionen transportieren, mies bezahlt werden und dafür auch noch ihr Leben riskieren."

Rätselraten um Thema von "Team Wallraff"

Lange machte RTL ein Geheimnis daraus, was das Thema der nächsten Folge von "Team Wallraff - Reporter Undercover" sein würde. Günter Wallraff hatte im Vorfeld lediglich verraten, dass es um eine Branche geht, in der die Angestellten "unterbezahlt mit Dauerüberstunden" Druck und Stress ausgesetzt seien. So manch einer würde da auch "durchknallen".

Zuvor hatte der bekannte Investigativjournalist, der in der Reihe RTL-Reporter als Mentor bei ihren Enthüllungen begleitet, zusammen mit seinem Team untragbare Zustände in deutschen Pflegeheimen aufgezeigt. Und den Ekel-Skandal bei Burger King aufgedeckt.

Nach den Enthüllungen um Burger King war Wallraff selbst in die Kritik geraten. Laut Medienberichten hat Wallraff im Jahr 2010 an zwei Veranstaltungen von Burger King-Konkurrent McDonald's teilgenommen. Für eine Diskussionsrunde und einen Vortrag flossen insgesamt 8.000 Euro auf das Konto von Wallraffs Stiftung. Der Enthüllungsjournalist hatte die Kritik an den bezahlten Auftritten mit dem Argument zurückgewiesen, er selbst habe mit Kritik an "der Fastfood-Unkultur und auch an McDonald's" nicht gespart.

wei/fro

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