München - Durchnässte Matratzen, keine Heizung und jede Menge Müll. Im Praxistest der fällt das Wiesn-Containerdorf im Reitstadion Riem durch. Also: Wenig Spaß im Liebes-Container.

© Michael Westermann
Zusammen mit Freundin Annika (l.) testete tz-Reporterin Christina Lewinsky die Wiesn-Lofts
Fast 200 Gäste können hier schlafen: Die Übernachtung für zwei Personen im Doppel-Loft kostet 99 Euro (Sonntag bis Donnerstag) beziehungsweise 129 Euro (Freitag und Samstag).
Doch wie gemütlich sind die mobilen Wohncontainer für den stolzen Preis wirklich? Die tz machte den Praxistest: 23 Uhr, die Wiesnzelte schließen, und das heißt für uns: ab ins Container-Dorf nach Riem! Eine Nacht in der sieben Quadratmeter großen Wiesn-Zelle, das riecht nach Abenteuer!
An der Rezeption erhalten wir den Schlüssel samt Loft- Nummer: „F41“, dritte Containerreihe links. Gespannt schließen wir die Tür auf. Doch statt des kuscheligen Doppelbetts finden wir zwei Klappliegen mit jeweils 70 Zentimetern Breite – dazwischen eine Wasserlache auf dem Boden.
An der Rezeption erklärt man uns, dass die Container dem starken Regen tagsüber nicht standgehalten hätten. Freundlicherweise bekommen wir ein neues Loft – welch Glück, dass nur 30 der 98 Container belegt sind und ein Wechsel möglich ist. Auch unser Nachbar Sebastian darf umziehen: Die Betten in seinem Loft sind nicht bezogen, der Müll samt Bierflaschen vom Vorgänger liegt verstreut herum.
„So eine eklige Sauerei, da schlafe ich keine Sekunde drin!“, beschwert sich der 29-Jährige. Im Waschraum bietet sich ein Schmuddelbild: versiffte Waschbecken, schlammiger Boden. Und in keiner der Kabinen ist Klopapier auffindbar. Draußen herrscht statt der erhofften Party Geisterstimmung zwischen den Containern – vereinzelt brennt Licht in den Minifenstern, und eine kleine Gruppe Australier tanzt im angrenzenden Festzelt. Doch von ausgelassener Oktoberfest-Stimmung, wen wundert’s, keine Spur.
Unsere neue Box ist auf den ersten Blick trocken und warm, aber nach den Leselampen aus der Anzeige von Airbnb suchen wir trotzdem vergeblich – dafür strahlt uns die Neon- Deckenleuchte wie ein Fluchtlichtscheinwerfer an. Nachts rattert dann die Heizung auf niedrigster Stufe so laut, dass an Schlaf kaum zu denken ist.
Unser Fazit: keine Chance für erholsame oder romantische Stunden zu zweit in der angeblichen Kuschel- Zelle. Nach zwei Stunden Schlaf freuen wir uns am nächsten Morgen auf unser eigenes, warmes Bett.
Christina Lewinsky
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