Die härtesten Einsätze im Jahr

So rüsten sich die Sanitäter für die Wiesn

München - Das Bayerische Rote Kreuz rüstet sich für das Oktoberfest – und damit für einen der härtesten Einsätze im Jahr. Wir haben uns vorab in der Wiesn-Sanitätsstation umgeschaut.

Alles halb so schlimm: „Unsere Aufgabe besteht nicht darin, den ganzen Tag lang Herzinfarkte und schwere Verletzungen zu behandeln. Vielmehr filtern wir aus einer Vielzahl leichterer Fälle die schlimmen heraus“, sagt Dr. Ulrich Hölzenbein, Chefarzt der Wiesn-Sanitätsstation des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Er ist einer von elf Ärzten die während der Wiesn täglich im Einsatz sind. Dazu kommen mehr als 100 Rettungssanitäter. Alle arbeiten ehrenamtlich – und nehmen dafür Urlaub.

Die Vorbereitungen für die Wiesn haben schon Mitte Juli begonnen. Dann bezieht das BRK die 750 Quadratmeter große Sanitätsstation auf der Theresienwiese. Die Mitarbeiter bestücken Schubläden mit Verbänden, Blutdruckmessgeräten und anderem medizinischem Material. Sie überprüfen die Funktionsfähigkeit der Geräte, reinigen die gelben Transportliegen, nehmen Reparaturen vor. Ein spezielles Wiesneinsatztraining absolvieren sie aber nicht: „Wir sind das ganze Jahr über im Einsatz. Für das Oktoberfest gelten die gleichen Grundsätze wie für jeden anderen Einsatz auch“, sagt BRK-Kreisbereitschaftsleiter Jürgen Terstappen. Trotzdem ist die Wiesn etwas besonderes. Zwar arbeiten die Retter im Schichtdienst, aber die Tage sind lang. Die meisten Mitarbeiter haben erst um 1.30 Uhr Dienstschluss, am Wochenende bleiben einige die ganze Nacht. Schließlich muss die Station dann 24 Stunden besetzt sein – für den Fall der Fälle. Auch mit unappetitlichen Fällen sind die Helfer konfrontiert. Vor allem im Überwachungsraum für alkoholisierte Patienten. „Wie Sie sehen“, sagt Jürgen Terstrappen, und deutet auf die Fliesen am Boden, „haben wir hier einen rustikaleren Bodenbelag als im Behandlungsraum. Damit man mit dem Dampfstrahler reinigen kann.“ Bierleichen machen fünf bis zehn Prozent der Patienten aus. Von den insgesamt 7892 Patienten, die während der Wiesn 2014 mit insgesamt 6,3 Millionen Besuchern behandelt wurden, hatten 680 eine Alkoholvergiftung. „Sie werden behandelt wie ein Intensivpatient“, sagt Terstappen. „Sämtliche Kreislaufparameter werden überwacht, sie bekommen Infusionen, und wir achten auf den Wärmeerhalt.“

Wer auf der Wiesn den Notruf wählt, kann damit rechnen, dass die Retter in 1,5 Minuten vor Ort sind. Vergangenes Jahr hatte es im längsten Fall 4,9 Minuten gedauert. Die Sanitäter kommen zu Fuß samt der „Bananen“, den gelben Transportliegen. Damit können sie sich schneller ihren Weg durch die Menschenmassen bahnen als mit dem Rettungswagen. 2119 Trageeinsätze gab es vergangenes Jahr. Die Sanitäter haben diesselbe Ausrüstung dabei, die auch an Bord eines Rettungswagens ist. Sauerstoff und Notfall-EKG zum Beispiel. Wenn erforderlich, rufen sie einen Notarzt dazu. Anschließend transportieren sie den Patienten in die Sanitätsstation. Zur Sanitätsstation gehören auch drei Satelliten. Auf der Oidn Wiesn, am Esperantoplatz und am U-Bahn-Abgang Theresienswiese. Ein weiterer Grund, warum die Helfer so schnell vor Ort sind. In der Sanitätsstation untersuchen die Helfer die Patienten zunächst. Kleinere Schnitt- oder Kopfplatzwunden werden vor Ort genäht. (2014:644 Patienten).

Dagegen werden Patienten, die zum Beispiel Gefäß- oder Sehnenverletzungen haben im sogenannten Akutraum stabilisiert und zur weiteren Behandlung in eine Klinik gebracht. Vergangenes Jahr gab es 823 Abtransporte in Krankenhäuser. Die meisten Patienten kommen aber glimpflich davon: Im Jahr 2014 mussten 4275 gar nicht behandelt werden, sondern haben nur Hilfe in Anspruch genommen, zum Beispiel weil sie ihr Kind verloren haben.

Bettina Stuhlweißenburg

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