München - Karl-Heinz Wildmoser – der Urbayer war eines der letzten Originale Münchens. Die tz würdigt den verstorbenen Gastronom in einer Serie. Diesmal geht es um K.HW., den barocken Patriarchen.

© dpa
Karl-Heinz Wildmoser freut sich über den "Goldenen Ehrenfilserhut" (2000).
Braun aber will, wenn nichts dazwischenkommt, am Mittwoch von Aschaffenburg nach München zur Beerdigung reisen: „Weil er als Präsident einfach eine wichtige Rolle beim größten Erfolg meiner Karriere gespielt hat.“ Wer auch immer mit ihm irgendwann zu tun hatte – an Wildmoser kam und kommt auch nach seinem Tod keiner vorbei. So wie er es immer haben wollte.
Wildmoser war nicht nur der Präsident oder der Boss, er war ein Patriarch. Nach seiner Pfeife musste getanzt werden, und wehe, es muckte einer auf. Dann war’s vorbei mit seiner Jovialität, die er so gerne zur Schau stellte. Denn der TSV 1860, das war seit seinem Amtsantritt er selbst: Der Verein bin ich! Und da auch die Erfolge der Löwen unter ihm ständig Schritt hielten, sah sich lange Zeit keiner veranlasst, an der Dominanz des blauen Oberhaupts herumzumäkeln.
Der öffentliche Wildmoser gab sich dann wieder ganz anders. Einem Kellner, der ihm zwei Packungen Marlboro besorgt hatte, hielt er mal einen Hunderter hin und sagte: „Passt scho.“ Der Diener des Überbringers war exakt so tief, wie ihn der Löwen-Boss erwartet hatte.
Von Jahr zu Jahr baute er das Imperium der Marke Wildmoser mehr und mehr aus. Der Löwen-Präsident gehörte irgendwann zu den bekanntesten Köpfen im deutschen Fußballgeschäft. Selbst im äußersten Winkel einer ostfriesischen Insel wusste man, wer der so lustig erzählende Mann mit dem Zwirbelbart im Fernsehen ist. Auch wenn man nicht viel von dem verstand, was er da in seinem oft g’scherten Bairisch erzählte.
Wildmoser war inzwischen auch in diverse Gremien des DFB eingezogen (was natürlich nur zum Nutzen des TSV 1860 erfolgt sein soll), bei einer Länderspielreise der Nationalmannschaft fungierte er sogar als Delegationsleiter. Weit und breit war keine morsche Sprosse in Sicht, die ihm auf der Erfolgsleiter hinderlich hätte sein können.
Für die Zeit nach ihm hatte er auch schon alles vorbereitet: Sein Sohn Heinzi, ohnehin immer an seiner Seite, sollte das Amt des Präsidenten übernehmen, damit es ja kein abruptes Ende des „TSV 1860 Wildmoser“ geben würde.
Das erfolgte im März 2004 dann aber auf eine Art und Weise, wie es nun wirklich keiner erwartet hätte: Von einem Tag auf den anderen gehörte der Name Wildmoser bei den Blauen von der Grünwalder Straße der Vergangenheit an. Der Schmiergeld-Skandal beim Bau der Allianz Arena brachte Heinzi in den Knast – und Karl-Heinz um das Amt. Wie ein alter Herrscher im Exil empfing K.H.W. in der Zeit danach ihm treu ergebene Löwen-Fans in seinem „Gasthof Hinterbrühl“, auch wenn ihn der Verein „nicht mehr interessieren“ würde, wie er häufig erzählte.
Was natürlich nicht der Wahrheit entsprach: Fast jedes Spiel der Löwen sah er sich seit seinem Abgang live auf Premiere bzw. Sky an. Dieses Abo wurde jetzt von einer noch höheren Macht, als die er eigentlich sich immer sah, gekündigt.
Claudius Mayer
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