München - Seit 20 Jahren arbeitet er als Reiseleiter auf der Wiesn. Dabei trinkt der waschechte Engländer Darren Wilkins keinen Schluck Alkohol. Im Interview erzählt er von den Highlights seines "Dienstjubiläums".

Darren Wilkins ist seit 20 Jahren Reiseleiter auf der Wiesn
Das Münchner Oktoberfest wird 200 Jahre alt! Doch nicht nur die Wiesn feiert in diesem Jahr ein rundes Jubiläum – ein waschechter Engländer hat ebenfalls einen guten Grund zum Feiern. Als er vor zwei Jahrzehnten zum ersten Mal die Wiesn als englischer Reiseleiter betreute, dachte Darren Wilkins (39) nicht, dass er 2010 sein 20-jähriges Wiesn-Jubliäum erleben würde.
Im Interview erzählt Darren Wilkins aus Epping (Essex), nördlich von London, wie er seit 1990 rund 15.000 Engländer nach München holte und sie in den meisten Fällen auch wieder heil zurück auf die Insel brachte.
Darren, sind 200 Jahre Wiesn und Ihr 20-jähriges Wiesn-Jubliäum ein besonderer Anlass für Sie?
Wilkins: Vor 20 Jahren habe ich zum ersten Mal meine englischen Gäste in München auf der Wiesn betreut. Damals hätte ich nicht im Traum daran gedacht, dass ich das für längere Zeit machen könnte. Zurückblickend kann ich aber sagen, dass ich kein einziges Jahr missen möchte. Ich habe auf dem Oktoberfest viele neue Freunde kennen gelernt und fühle mich mittlerweile als Teil einer großen Wiesn-Familie.
Wie haben sich die Wiesn und die englischen Trinkgewohnheiten in den letzten 20 Jahren verändert
Wilkins: Ich würde sagen, nicht immer die feine englische Art, aber ausgefallene Trinkgewohnheiten haben sowohl Tradition in Bayern als auch bei uns auf der Insel. Was den Alkohlkonsum angeht, sehe ich es wie beim Fußball: Wir wollen uns immer wieder mit den Deutschen messen, am Ende liegen wir aber zuerst auf dem Boden (lacht).
Wie sieht der durchschnittliche Wiesn-Engländer aus?
Uns ist zu Ohren gekommen, dass Sie auf der Wiesn noch überhaupt keinen Schluck Alkohol getrunken haben. Womit stoßen Sie überhaupt beim Prosit-Song an?
Wilkins: Damit gehöre ich mit Sicherheit zu einer sehr sehr kleinen Minderheit – wenn überhaupt. Da ich aber generell keinen Alkohol mag, macht mir das überhaupt nichts aus. Im Gegenteil, mit meiner Spezi-Maß bin ich schließlich etwas Besonderes.
Was waren Ihre Highlights bislang – im positiven wie im negativen Sinne?
Wilkins: Es freut mich jedes Jahr, wenn sich meine Gäste amüsieren und ausgelassen feiern können. Dabei ist es am schönsten, wenn ich bekannte Gesichter um mich herum habe. Das ist aber nach 20 Jahren nicht mehr allzu schwer. Neben den Security-Guys und den Bedienungen, die ich alle persönlich kenne, habe ich sehr viele Freunde gefunden. Besonders stolz bin ich darauf, dass mir noch keine Person verloren gegangen ist – auch wenn sie zwischenzeitlich verschwunden zu sein schienen. Am Schlimmsten für mich jedoch war, als einer meiner Gäste nach der Wiesn völlig betrunken aus dem Fenster seines Hotels gestürzt und tödlich verunglückt ist. So etwas möchte ich auf gar keinen Fall wieder erleben.
Wie sieht eine optimale Wiesn-Vorbereitung aus?
Wilkins: Die Vorbereitung zur Wiesn beginnt für mich direkt nach Ende der letzten Wiesn. Prinzipiell ist für mich das ganze Jahr Oktoberfest. Vor der Wiesn nehme ich mir aber noch Zeit, meine deutschen Freunde in München zu besuchen. Während des Oktoberfests habe ich hierzu leider wenig Zeit.
Fühlen Sie sich mittlerweile als echter Bayer?
Wilkins: Zumindest behaupten das meine Freunde. Mittlerweile habe ich einen leichten bayerischen Dialekt. Ich werde wohl wieder einmal einen Sprachkurs für meinen Heimat-Dialekt belegen müssen, um ihn nicht vollends zu verlieren (lacht).
Welche Tipps geben Sie Ihren Gästen mit auf den Weg?
Wilkins: “Pace yourself! You don’t want to be carted off to the medical tent to recover with the other Bierleichen — which means beer corpses!” Sinngemäß: „Immer schön langsam, ansonsten findest Du Dich bei den Bierleichen im Versorgungszelt wieder.“
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