Stadt lehnt Antrag für Notquartiere ab

Oktoberfest: Keine Flüchtlingslager in den Wiesn-Zelten

Marstall Oktoberfest Zelt
+
Der leere Marstall – kein Platz für Flüchtlinge?

München - Täglich kommen weitere Flüchtlinge nach München. Diejenige, die hier bleiben, brauchen eine Unterkunft. Doch wo? Die Bürgerliche Mitte im Stadtrat will Flüchtlinge notfalls in den Wiesn-Zelten unterbringen – nach dem Oktoberfest. Doch die Stadt lehnt das ab.

Grund: Die Zelte seien im Winter kaum beheizbar, außerdem sei ein Schädlingsbefall zu befürchten.

„Irgendwo müssen die Leute aber hin“, sagt Ursula Sabathil (FW). Daher hatte sie die Idee mit den Wiesn-Zelten. Nicht zuletzt, weil etwas Ähnliches in Rosenheim und Nürnberg praktiziert wird. Dort werden Zelte vom Herbstfest genutzt. „Es wird ja offensichtlich schon umgesetzt, dann kann es nicht so falsch sein.“

Die Wiesn-Zelte verfügten über WC, Wasser- und Stromanschlüsse und böten Platz für eine große Anzahl Menschen. Auch die Regierung von Oberbayern schließt eine Unterbringung in Wiesn-Zelten nicht kategorisch aus. Eine Sprecherin sagte dem Münchner Merkur: In der momentan unvorhersehbaren Situation habe man für Lösungen „die Augen und Ohren überall“.

Die Stadt lehnt Sabathils Antrag indes ab. Vom Referat heißt es: Die Zelte seien für Schneelasten nicht geeignet. Und sie seien zu hoch, um sie wirksam zu beheizen. Dazu wären 7200 Liter Heizöl pro Tag nötig. Kostenpunkt: rund 4000 Euro! Darüber hinaus seien die Böden so stark verschmutzt, dass sie ausgetauscht werden müssten. Laut Zeltbauern dauere das bis zu sechs Wochen.

Die Geländeoberfläche müsste zudem mit hohem Aufwand gereinigt werden. Und dennoch: Durch die Hohlräume unter den Zeltböden sei ein Schädlingsbefall nicht auszuschließen. Und um Waschräume zu schaffen, müssten Sanitärcontainer angemietet werden, die kaum mehr zu beschaffen seien.

Stadt und Zeltbaufirmen sehen es als sinnvoller an, stattdessen im Bedarfsfall Leichtbauhallen aufzustellen. Doch die gibt es kaum noch. Sabathil sieht die Absage daher nicht als das letzte Wort: Bis vor Kurzem hatte sich das Rathaus auch nicht vorstellen können, Flüchtlinge in Gewerbeimmobilien unterzubringen. „Mittlerweile ist die Landeshauptstadt froh um jedes dieser Gebäude.“ Morgen entscheidet der Wirtschaftsausschuss über das Thema.

Flüchtlinge: Kaum Neuankömmlinge zum Oktoberfest

Die Zahl der in Bayern ankommenden Flüchtlinge ist auch am Samstag weiter zurückgegangen: Rund 2700 Menschen erreichten den Freistaat. Bis Sonntagmittag kamen weitere 1376. Am Münchner Hauptbahnhof hingegen verzeichnete die Bundespolizei kaum neue Ankünfte. 200 Flüchtlinge waren es am Samstag. Laut Bundespolizei kam es zu keinen Problemen zwischen Wiesn-Gästen und Asylbewerbern. Die meisten Züge werden wegen des Oktoberfestes derzeit um München herumgeleitet.

Oktoberfest 2015: Alle aktuellen Informationen im Wiesn-Ticker

Nach dem ersten Wiesn-Wochende können Wirte und Schausteller auf erfolgreiche zwei Tage zurückblicken. Alle aktuellen Informationen zur Wiesen finden Sie in unserem Ticker zum Oktoberfest 2015

ska

Lesen Sie auch:

Wiesn-Anstich: Stadt verlost Plätze in der Ratsboxe

Wiesn-Anstich: Stadt verlost Plätze in der Ratsboxe

Wiesn-Anstich: Stadt verlost Plätze in der Ratsboxe
Fataler Wiesn-Abend mit Messerstecherei - Owomoyela Zeuge

Fataler Wiesn-Abend mit Messerstecherei - Owomoyela Zeuge

Fataler Wiesn-Abend mit Messerstecherei - Owomoyela Zeuge

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare