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Oktoberfest Jubiläum Enthüllung Bavaria Theresienwiese

Die Enthüllung der Riesen-Frau

München - Als am 9. Oktober 1850 während des Oktoberfestes die Bretterwände rund um die Bavaria einstürzten und den Blick auf die schwarzschimmernde Riesenfrau freigaben, brach unter ’Zigtausenden von Wiesnbesuchern ein unbeschreiblicher Jubel aus.

© dpa

Die Bavaria wurde am 9. Oktober 1850 auf der Theresienwiese enthüllt.

Die Bavariaenthüllung wurde zu einer einzigen Huldigungsfeier der Münchnerinnen und Münchner für den, zwei Jahre zuvor wegen der Lola-Montez-Affäre zurückgetretenen Ludwig I., eine gewaltige Versöhnungsfeier mit dem Ex-König. Und allmählich dämmerte allen, was dieser Monarch für München geleistet hatte.

Bilder aus 200 Jahren Wiesn-Geschichte

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„Ich will aus München eine Stadt machen, die Teutschland so zu Ehren gereicht, dass niemand sagen kann, er kenne Teutschland, wenn er München nicht gesehen hat!“, lautete sein berühmter Satz. Die Bavaria war der Höhepunkt seiner Stadterneuerung, über die Fürst Metternich nach Wien berichtete: „Manbegreiftnicht,wieeinMensch ruhigen Blutes den Gedanken fassen kann, auf einmal das alles zu unternehmen, was der König bauen lässt.“ Mit der Enthüllung der Bavaria waren mit einem Schlag alle Streitereien und öffentlichen Auseinandersetzungen wegen der Eskapaden der arroganten Lola Montez vergessen, die monatelang die Stadt erschütterten und König Ludwig I. zur Abdankung zwangen.

Max II. zahlte zu wenig und trieb Gießerei fast in den Ruin

Wegen Lola kam aber nicht nur der Thron, sondern auch die Bavaria ins Wanken: In den Abdankungsverträgen garantierte sein Sohn Max II. zwar ausdrücklich die Finanzierung aller von seinem Vater begonnenen Bauwerke, strich aber schon bald nach dessen Rücktritt die Zahlungen rigoros zusammen. Von 1848 bis 1850 zahlte er von den Gesamtkosten der Bavaria (286 446 Gulden) nur 9000 Gulden an die Erzgießerei, was Ferdinand vonMiller fast in den Konkurs getrieben hätte: Um den Guss weiterzuführen, zahlte Miller seit 1849 seine Arbeiter aus eigener Tasche – bis auch seine Mittel zu Ende waren. Im letzten Moment blieb Ludwig I. nichts anderes übrig, als sein Privatvermögen anzuzapfen, um die Vollendung der Bavaria zu garantieren.

„Pfui Teufel!“

Dass diese Geschichte das schon lange angespannte Verhältnis von Vater Ludwig zum Sohn Max nicht verbesserte, ist klar. Man ging sich aus dem Weg, wo man nur konnte, besonders, nachdem Max seinen Vater aus seinen Wohnräumen in der Residenz „geworfen“ hat, in denen Ludwig I. ein halbes Jahrhundert zuhause war. Eine Hofhaltung zweier Könige in ein und dem selben Haus war für Max unmöglich. Den Kunstgeschmack seines Sohnes fand Ludwig I. grauenvoll, und über die Architektur der nach seinem Sohn benannten Maximilianstraße sind vom Vater nur zwei Worte überliefert: „Pfui Teufel“!

Die Anerkennung der Münchner

So harmonisch und friedlich wie aufderLithografievonGustavKraus die Majestäten am Königspavillon stehen, war’s in Wirklichkeit dann auch nicht. Aber der regierende Sohn Max machte das einzig Richtige, blieb diplomatisch im Hintergrund und ließ die Beifallsstürme über seinenVaterniederprasseln:„ Nachdem sämtliche Festwagen zu beiden Seiten der Tribüne im Halbkreis aufgestellt waren, fiel bei klarstem Herbsthimmel unter den Salven der Landwehr-Artillerie und den betäubenden Zurufen der zahllosen Menge die 70 Fuß hohe Bretterwand krachend nieder, und das erhabenste Bildnis glänzte zum ersten Mal vor den entzückten Blicken. Nie bisher hatte das Volk in solcher Menge den hohen Wert der Kunstschöpfungen des Königs gefühlt oder gar anerkannt.“ So schrieb der Stadtchronist Ernst von Destouches. München und die Münchner waren mit ihrem König wieder versöhnt.

Heinz Gebhardt

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