München - Als am 9. Oktober 1850 während des Oktoberfestes die Bretterwände rund um die Bavaria einstürzten und den Blick auf die schwarzschimmernde Riesenfrau freigaben, brach unter ’Zigtausenden von Wiesnbesuchern ein unbeschreiblicher Jubel aus.

© dpa
Die Bavaria wurde am 9. Oktober 1850 auf der Theresienwiese enthüllt.
Die Bavariaenthüllung wurde zu einer einzigen Huldigungsfeier der Münchnerinnen und Münchner für den, zwei Jahre zuvor wegen der Lola-Montez-Affäre zurückgetretenen Ludwig I., eine gewaltige Versöhnungsfeier mit dem Ex-König. Und allmählich dämmerte allen, was dieser Monarch für München geleistet hatte.
Dass diese Geschichte das schon lange angespannte Verhältnis von Vater Ludwig zum Sohn Max nicht verbesserte, ist klar. Man ging sich aus dem Weg, wo man nur konnte, besonders, nachdem Max seinen Vater aus seinen Wohnräumen in der Residenz „geworfen“ hat, in denen Ludwig I. ein halbes Jahrhundert zuhause war. Eine Hofhaltung zweier Könige in ein und dem selben Haus war für Max unmöglich. Den Kunstgeschmack seines Sohnes fand Ludwig I. grauenvoll, und über die Architektur der nach seinem Sohn benannten Maximilianstraße sind vom Vater nur zwei Worte überliefert: „Pfui Teufel“!
So harmonisch und friedlich wie aufderLithografievonGustavKraus die Majestäten am Königspavillon stehen, war’s in Wirklichkeit dann auch nicht. Aber der regierende Sohn Max machte das einzig Richtige, blieb diplomatisch im Hintergrund und ließ die Beifallsstürme über seinenVaterniederprasseln:„ Nachdem sämtliche Festwagen zu beiden Seiten der Tribüne im Halbkreis aufgestellt waren, fiel bei klarstem Herbsthimmel unter den Salven der Landwehr-Artillerie und den betäubenden Zurufen der zahllosen Menge die 70 Fuß hohe Bretterwand krachend nieder, und das erhabenste Bildnis glänzte zum ersten Mal vor den entzückten Blicken. Nie bisher hatte das Volk in solcher Menge den hohen Wert der Kunstschöpfungen des Königs gefühlt oder gar anerkannt.“ So schrieb der Stadtchronist Ernst von Destouches. München und die Münchner waren mit ihrem König wieder versöhnt.
Heinz Gebhardt
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