Auf dem Prüfstand

Bestechung: Was dürfen Wiesn-Schausteller?

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Klaus Renoldi junior vor dem „Höllenblitz“. Ob er seine Zulassung für das Oktoberfest behält, steht nun auf dem Prüfstand.

München - Dürfen Schausteller, die mit Champagner und Fußballkarten versuchen, bessere Plätze für sich herauszuhandeln, auf die Wiesn? Mit dieser Frage beschäftigt sich derzeit das Wirtschaftsreferat.

Denn die Renoldis, Bremer Schausteller in sechster Generation, sind vom Amtsgericht Bremen rechtskräftig zu Geldstrafen auf Bewährung verurteilt worden – wegen versuchter Bestechung. Ob sie heuer mit ihrer Attraktion „Höllenblitz“ auf dem Oktoberfest stehen dürfen, ist noch unklar.

Wie das Amtsgericht Bremen bestätigte, wollten die Renoldis im Jahr 2013 den Bremer Staatsrat für Inneres und Sport, Holger Münch, mit Champagner überzeugen, ihnen bessere Plätze auf dem Bremer Freimarkt, dem größten Volksfest im Norden, zu geben. Doch Münch ließ sich nicht darauf ein: Er war früher Polizeipräsident in Bremen – und sorgte umgehend für einen Vermerk wegen des Bestechungsversuchs.

Auch der zweite Anlauf der Renoldis ging schief: Klaus Renoldi junior wollte den zuständigen Sachgebietsleiter für die Vergabe von Schaustellerplätzen in Bremen beeinflussen: Er besuchte ihn zu Hause und hatte zwei Fußballkarten dabei. Wieder scheiterte der Versuch, wieder bekam Renoldi einen Vermerk.

Katrin Gillinger, Sprecherin des Amtsgerichts Bremen, erklärt: „Es handelt sich hier um eine Vorteilsgewährung.“ Weil die Renoldis einen Vorteil angeboten haben, wurden sie vor kurzem zu Geldstrafen verurteilt: Gegen Karl Renoldi junior erging ein Strafbefehl von 135 Tagessätzen, bei Renoldi senior waren es 90 Tagessätze zu je 100 Euro. Damit hätte Renoldi junior 13 500 und Renoldi senior 9000 Euro zahlen müssen. Vater und Sohn legten dagegen Einspruch ein, die Geldstrafe wurde unter einer Geldauflage zur Bewährung ausgesetzt – der Senior musste als Auflage 2000 Euro zahlen, der Junior 3000 Euro.

Das Urteil wird nun auch in München diskutiert. Denn den Renoldis wurde bereits Ende April die Zulassung für den „Höllenblitz“ auf dem Oktoberfest erteilt. Gabriele Papke, Sprecherin des Münchner Tourismusamts, erklärte auf Nachfrage, dass der Beschluss des Amtsgerichts Bremen „juristisch und gewerberechtlich“ überprüft werde. Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) hat Höllenblitz-Chef Klaus Renoldi abgemahnt, alles weitere müsse das Wirtschaftsreferat entscheiden.

Auch die „Wildstuben“ auf der Wiesn gehört den Renoldis – allerdings Trudi Renoldi, Ehefrau von Klaus Renoldi senior. Ihre Wiesn-Zulassung wird laut Papke nicht überprüft, da sie mit der Bestechung nicht in Zusammenhang stehe. Sippenhaft gebe es zum Glück nicht, sagte Papke. Die Renoldis wollten sich trotz mehrfacher Anfrage nicht äußern.

Stefanie Wegele

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