Die Wiesn-Jobs im Test: Zeltordner

301.07.10|Wiesn-Job-Test|1 KommentarFacebook
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Ihr Job ist es, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Und notfalls Besucher abzuweisen. Das macht die Zeltordner zu den wohl unbeliebtesten Personen auf der Wiesn. Nina Bautz hat als Ordnerin mitgeholfen.

tz-Wiesn-Reporterin Nina Bautz hat einen Nachmittag als Zeltordnerin in der Ochsenbraterei gearbeitet.

© Westermann

tz-Wiesn-Reporterin Nina Bautz hat einen Nachmittag als Zeltordnerin in der Ochsenbraterei gearbeitet.

Ein Mann schlupft unter dem rot-weißen Band hindurch, dann gerät alles außer Kontrolle. Zwei Ordner springen auf ihn zu, halten ihn fest, die anderen nutzen die Gunst: Dutzende Gäste strömen in den abgesperrten Biergarten, ein Mädchen fällt hin. Das ist mir zu brenzlig. Ich verstecke mich hinterm Breznstandl.

Ordner am Italienersamstag – das ist kein Spaß. Schon um 11.30 Uhr machen meine Kollegen das Zelt dicht. Um 14.30 Uhr kommen die Biergärten dran. Mein Chef stellt mich an den Haupteingang und drückt mir eine Rolle Plastikband in die Hand: Leute wegdrängen! Absperren! Mein Herz pocht.

Eine Uniform flößt Respekt ein. Darüber bin ich heute sehr dankbar. Brav stehen bullige Männer vor mir, mit flehenden Augen. Ich habe die Macht! Manchen mag das ein gutes Gefühl vermitteln, ich fühle mich wie in einer verkehrten Welt. „Meine Eltern sind da drin, ich habe mir doch nur was Süßes gekauft. Das könnt ihr nicht machen“, fleht mich ein etwa 15-jähriges Mädchen an, um reinzukommen. Oh nein, die Arme! So schwer ist mir der Rollentausch noch nie gefallen. Aber Mitleid gibt’s nicht. Die Sicherheit geht vor. Ich war doch nur kurz … Telefonieren, auf dem Klo, Karussell fahren – die Sätze der bettelnden Menschen unterscheiden sich kaum. Nach zwei Stunden an der Absperrung habe ich weniger Mitleid. Ich bin genervt. Erst werde ich angeschleimt, dann beschimpft. Je älter die Männer, desto massiver. Drei Mal wurde ich als „Schlampe“ bezeichnet.

Ich werde zum „Streife gehen“ im Zelt abkommandiert – nicht umsonst der unbeliebteste Job unter den Ordnern. Gang rauf, Gang runter. „Auf die Seite, bitte!“ Ist das laaangweilig. Immerhin lächeln die Bedienungen, die ohne uns nicht durchkämen. Als um 17 Uhr der Reservierungswechsel ansteht, stehle ich mich ins Freie. Die Gäste schauen so aggressiv. Zwar hat mir der Chef vorher gezeigt, wie ich im Notfall das Handgelenk packen muss. Anwenden würde ich das aber nicht.

Eher muss ich aufpassen, dass mich keiner plattmacht. Draußen herrscht Chaos. Das Absperrband flattert in zwei Teilen im Wind. Selbst zu dritt können meine Kollegen den Ansturm nicht aufhalten. Ich renne ins Büro und ziehe die Uniform aus. Ich stehe lieber auf der anderen Seite.

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