Otto Schwarzfischer leitet seit 51 Jahren die Kapelle im Schottenhamel-Zelt – er glaubt nicht an zufälligen Erfolg. „Die Medien müssen das Lied vorher aufgreifen und bekannt machen.“ In Aprés-Ski-Hütten und Ballermann-Diskos zeige sich, was auf der Wiesn gut ankommen könnte.
Fragt man die Kapellmeister nach Regeln für einen Wiesn-Hit, sagen sie: Der Text darf nicht zu schwierig sein, der Refrain muss sich oft wiederholen, es braucht eine Melodie und einen Rhythmus zum Mitklatschen. „Aber nur, weil ein Lied das alles hat, ist es noch kein Wiesn-Hit“, sagt Schwarzfischer. „Manchmal gehen auch langsame Lieder – Sierra Madre zum Beispiel.“ Auch auf das Zelt kommt es an. Im Augustiner will das Publikum lieber Altbewährtes hören, im Schützenfestzelt feiern vor allem junge Leute.
Dort spielt Konrad Aigner mit seinen Niederalmern. Und er hat auch schon bittere Momente erlebt – etwa am ersten Wiesntag vor einigen Jahren. Die Kapelle machte sich bereit, zum ersten Mal den „Holzmichl“ zu spielen – ein Lied, das als sicherer Wiesn-Hit galt. Er war seit Monaten auf allen Volksfesten ein Ohrwurm, jeder kannte den Text. „Nach drei Takten fing das Publikum an zu pfeifen.“ Aigner konnte es nicht fassen, fragte in den anderen Zelten nach. „Überall hieß es: ,Hör mir mit dem Holzmichl auf!’ Damit hatte niemand gerechnet.“
Die Kapellmeister tauschen sich zwar während der Wiesn aus, Absprachen gibt es aber angeblich nicht – „man darf niemandem vorschreiben, was ihm zu gefallen hat“, sagt Aigner. Eine offizielle Liste mit Wiesn-Hits, die jeder zu spielen hat, sei undenkbar. „Das entwickelt sich, alle beobachten vorher, was kommen könnte.“ Der Kölner Karneval sei ein wichtiger Gradmesser – und die regionalen Volksfeste.





































