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Oktoberfest Oide Wiesn: Tradition statt Trubel

Bilder: So schön ist die Oide Wiesn

München - Gemütlicher, überschaubarer, traditioneller – während wenige Meter entfernt der Wahnsinn tobt, geht es auf der„Oiden Wiesn“ entspannt zu. Senioren, Familien und viele Kinder genießen das Oktoberfest, wie es anno dazumal gewesen sein mag.

© Schlaf

Tanzeinlage im Traditionszelt: Eine Trachtengruppe aus Bad Wörishofen zeigt ihr Können.

Hans-Joachim Bürger lacht aus voller Kehle. „Wunderbar“, ruft der 69-Jährige seiner Frau schnell entgegen, bevor er wieder lachen muss. Bürger steht vor „Eva’s Fahrt ins Paradies“ und beobachtet, wie das 70 Jahre alte Holzkarussell seine Runden dreht. „Achtung“, schreit die Rekommandeurin, „wir fahren volles Tempo.“ Die meisten Fahrgäste kreischen vor Freude, Bürger beginnt wieder zu lachen. „Wunderschön, wenn man so alte Fahrgeschäfte sieht“, sagt er. „Die Menschen, die das betreiben, stecken so viel Liebe rein.“

So schön ist es auf der Oidn Wiesn

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40 000 Besucher haben sich bis Montag bereits die „Oide Wiesn“ angeschaut – „den Sehnsuchtsort der Menschen“, wie sie Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl nennt. Auch Rosa und Georg Rabl schwärmen während ihres Rundgangs. Das Münchner Ehepaar geht seit Jahrzehnten aufs Oktoberfest und freut sich, auf der „Oiden Wiesn“ Fahrgeschäfte wiederzufinden, die es noch von früher kennt. Die beiden haben sich vor dem Velodrom, in dem mutige Besucher auf wackeligen Rädern fahren, auf eine Bank gesetzt und lassen die Eindrücke auf sich wirken. Ob sie jetzt, wo sie auf dem historischen Oktoberfest in Erinnerungen schwelgen, noch rüber wollen zu den großen Zelten und den modernen Fahrgeschäften? Georg Rabl überlegt keine Sekunde: „Jucken tut’s uns nicht mehr.“

Plötzlich wird es ein wenig lauter. Einige Schüler schnattern aufgeregt. „Alles ist viel älter“, sagt ein Bub. „Das ist hier viel schöner als drüben.“ Seiner Grundschullehrerin gefällt vor allem, dass sie auf der „Oiden Wiesn“ ihre Klasse gut im Blick hat.

Selbst in den Zelten auf der „Oiden Wiesn“ verlieren Besucher nicht den Überblick. Das weiß auch Birgit Witt zu schätzen – die Leiterin eines städtischen Kindergartens ist mit 19 Kindern im neuen Musikzelt „Zur Schönheitskönigin“ unterwegs. „Früher waren wir immer auf der normalen Wiesn“, erzählt Witt. „Hier ist es viel angenehmer.“ Die Wirtsleute Peter und Gerda Reichert haben Schweinswürstl für die Kinder aufgetischt. Die sind aber noch beschäftigt – vorne an der Bühne lädt die Wastl-Fanderl-Schule für bairische Musik zum Mittanzen und Mitsingen ein. In einer Polonaise ziehen die Kleinen durchs Zelt. „Unser Konzept kommt gut an“, sagt Wirt Peter Reichert. Wer will, kann spontan vor das Publikum treten und traditionelle Musik oder ein Gstanzl vortragen. In der Speisekarte sind Liedtexte abgedruckt, alle bayerischen Regionen sind vertreten. Und: „Wer zuhause weitersingt, darf die Karte mitnehmen“, sagt Reichert und lacht.

Auch im Traditionszelt der Wirtsleute Toni und Christine Winklhofer geht es gemütlich zu. Trachtenvereine treten hier täglich um 14 und 18 Uhr auf. „Und zwischendurch, wenn sie Lust haben und ihr Können zeigen wollen“, sagt Winklhofer. So wie die Trachtler aus Bad Wörishofen, die in historischen Gewändern angereist sind. „Zu Kneipps Zeiten war das das Sonntagsgwand“, erklärt Franz Seemüller und zeigt auf seine Frau Berta, die einen imposanten Kopfschmuck trägt. Ob der schwer ist? Nein, sagt sie, „der richtet auf und macht grad und stolz“.

Die Gespräche mit den Trachtlern, deren Einlagen und die traditionelle Musik, zu der sie auch selbst den Tanzboden erobern dürfen – das alles lockt die Gäste zu Winklhofer ins Zelt. Und wenn die Leute wieder gehen, sagt der Wirt, „dann sind sie nicht besoffen, sondern friedlich, glücklich“.

von Ann-Kathrin Gerke und Bettina Link

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