Rafting auf der Wiesn

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580 Kubikmeter Wasser sorgen im „ Rio Rapidos“ für rasanten Fahrspaß.

München - Ein neues Oktoberfest-Fahrgeschäft der Superlative verspricht Adrenalin pur und sogar ein bisschen Abkühlung für die ganze Familie: Rafting auf der Wiesn!

Es duftet auf der Theresienwiese – aber nicht nach Mandeln und Bratwurst, sondern nach grüner Wiese. Noch. Es ist Freitag, 2. September, noch knapp zwei Wochen bis zum Anstich. Die Festzelte nehmen Gestalt an, von den Schaustellern ist noch kaum etwas zu sehen. Einige wenige Gerüste ragen in den sonnigen Himmel. Doch die dröhnenden Motoren der Lastwagen und das Sägen und Hämmern auf dem Platz verraten: Es geht jetzt los. An diesem Tag beginnt die Arbeit auch für Sascha Kaiser (29) und sein Team vom „Rio Rapidos“. Mitten in der Nacht sind sie mit einer Lastwagen-Kolonne voller giftgrüner Bauteile angerückt. Sie liefern eine der Neuheiten auf dem größten Volksfest der Welt: Eine Rafting-Bahn, 20 Meter breit, 43 Meter tief, 15 Meter hoch. „Das ist unser zweiter Platz hier“, sagt der Chef. In Rudolstadt feierte „Rio Rapidos“ Premiere, doch für die Familie Kaiser, alteingesessen in München und heuer mit vier Geschäften auf der Wiesn vertreten, ist das Oktoberfest das erste Highlight. „Auf geht’s“, sagt Kaiser.

Aller Anfang ist schwer

Zuerst gilt es, den Standplatz zu prüfen. Kaiser konnte ihn sich nicht aussuchen, ist aber zufrieden. Direkt an einem der Eingänge, nahe der „Wilden Maus“ und dem Familienplatzl. Die Herausforderung: Weil das „Rio Rapidos“ neu ist, hat Kaiser es noch nicht oft aufgebaut. Einmal testweise in Ankara, weil die französische Baufirma dort produziert, einmal in Rudolstadt. „Der Platz ist etwas uneben, wir müssen mehr Holzstützen aufbauen als bisher“, sagt Kaiser und schaut prüfend über den Rand seiner Fliegerbrille. „Die Bodenplatten dürfen nirgends mehr als drei Millimeter Abstand voneinander haben.“ Während seine Leute die ersten Stützen aufbauen und die Bodenplatten aufsetzen, steht der Chef am Rand des Stellplatzes, den Bauplan in der Hand. Immer wieder kommt jemand aus seinem Team von sieben Leuten vorbei: „Wo kommt das hin? Wie ’rum muss das Teil?“ Dann schaut Kaiser in den buchdicken Plan und lacht. „Das ist ein bisschen wie bei Ikea hier.“

Steil nach oben, oder: Selbst ist der Chef

Zwei Tage später, am Sonntag, ist Kaiser äußerst gut gelaunt. „Heute haben wir richtig viel geschafft“, ruft er aus fünf Metern Höhe. Er klettert bereits in den ersten grünen Metallstützen umher, das Becken inklusive Aquariumverkleidung steht. Nun wird der Lift gebaut – eine Rampe, auf der später die zehn Boote nach oben gezogen werden. Zentimetergenau muss der Kranführer die Teile in der Luft justieren. Als es knifflig wird, steigt Kaiser selbst ins Führerhaus. Eine Stunde später ist es geschafft, der Lift steht. Das nächste Ziel: Der Einbau der Wasserpumpen. Noch am gleichen Tag werden die zwei größten Pumpen, jeweils 40 000 Euro wert, mit dem Kran an ihren Platz gehoben. „Die haben eine Power, das ist der Wahnsinn“, sagt Kaiser und grinst. „Wenn ich die anstelle, dann bebt der Boden.“ Noch ist es aber nicht so weit. Das Wasser wird erst gegen Ende eingelassen – und zwar etwas später, als Kaiser ursprünglich geplant hat. Aber das weiß er heute noch nicht.

Ein kleines Tief im Regenwetter

Der vierte Aufbautag. Es regnet. Das Wasser sammelt sich im Becken der Rafting-Bahn. Kaiser hat die Sonnenbrille gegen eine Regenjacke getauscht, und zum Plaudern hat er heute keine Zeit: „Ich bin im Stress.“ Die Fahrrinne nimmt Gestalt an, die erste Kurve ist zu sehen. Der Rand ist mit Plexiglas-Scheiben durchzogen, damit die Besucher die Fahrt von unten beobachten können, bevor sie selbst einsteigen. Die ersten Boote liegen im Becken unf dümpeln im Regenwasser vor sich hin.

Wenn die Lücke sich schließt

Einen Tag später, am Dienstag, kehrt die Sonne zurück und erleichtert die Arbeit. Das Tagespensum klappt: Die Verbindung des Lifts mit der Fahrrinne. Mittlerweile ist deutlich zu erkennen, wo die Boote fahren. Kaiser ist wieder in der Höhe unterwegs, hämmert und ruft Kommandos nach unten. Den Bauplan braucht er mittlerweile nicht mehr. „Es läuft alles, morgen oder übermorgen lassen wir das Wasser ein“, sagt er. Am Ende des Tages ist die Fahrrinne komplett fertig – das „Rio Rapidos“ hat ein erstes Gesicht.

Aufregung vor der Baustelle

Am Donnerstag, 8. September, gibt es Geschrei an der Baustelle: Finn (4), Victoria (4), Jann (2) und Julian (2) wollen einsteigen – in die Bahn, die noch nicht fahren darf. „Wir wollen fah-ren, wir wollen fah-ren“, schreien die Kinder. Einer der Arbeiter bemüht sich, die Kleinen zu vertrösten – und auch ihre Mütter Hanne Gräf und Bettina Karthan sind einigermaßen hilflos. Sie kommen jedes Jahr schon vor der Wiesn her – „um zu schauen, was es Neues gibt.“ Mit dem Rio Rapidos wollen sie in knapp zehn Tagen auf jeden Fall fahren. Nur unter dieser Bedingung lässt der kleine Finn sich von uns fotografieren.

Ein Bahnhof für die Boote

Wasser Marsch: Am Freitag, knapp eine Woche vor dem Anstich, lässt Kaiser endlich die 580 Kubikmeter Wasser ins Becken fließen. Am Wochenende müssen die entscheidenden Arbeiten fertig werden, denn spätestens Mittwoch kommt der TÜV zur End-Abnahme. Mittlerweile steht auch der Bahnhof – also der Ort, wo die Besucher später ein- und aussteigen werden.

Endspurt für die TÜV-Abnahme

Einer der letzten Höhepunkte: Das Leuchtschild mit der Aufschrift „Rio Rapidos“ wird am Wochenende installiert. Die ersten Tage der neuen Woche vergehen mit kleineren Arbeiten. Das Geländer muss passend geschweißt , die Boote an ihre Plätze geschoben, das Kassenhäuschen aufgestellt werden. Nach den Regularien der Stadt muss am Donnerstag alles fertig sein. „Dann müssen wir fahren.“

Die scharfen Augen der Kontrolleure

Mittwoch. Der TÜV ist da, Kaiser etwas nervös. Die Kontrolleure prüfen den Fahrablauf, etwa, ob die Boote genügend Abstand halten. Unterdessen wird die Elektronik justiert, das Geländer frisch grün gepinselt. Bisher läuft alles gut, eine Routine-Kontrolle. Und auch die Dekoration ist fertig: Echte Palmen stehen vor dem Eingang, leuchtende wurden am Lift installiert. Wenn die Kontrolleure am Abend nach fünf Stunden wieder gegangen sind, freut sich Kaiser endgültig auf den Start. „Ich bin gespannt auf die Reaktionen.“ In wenigen Tagen werden die ersten Gäste im Rio Rapidos sitzen. Es duftet auf der Wiesn. Nach frischer Farbe.

Ann-Kathrin Gerke

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